Foto: Stadt Weinheim

Weinheim (Stadt Weinheim) –  Ob Fachkräftemangel, soziale Balance, Bildung oder der gesellschaftliche Zusammenhalt – die Integration von Menschen, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, ist eine Mega-Aufgabe der nächsten Jahre. Ob sie gelingt oder nicht, ist eine Zukunftsfrage für Deutschland. Darüber waren sich alle fünf Personen einig, die jetzt im Dienstzimmer von Weinheims Oberbürgermeister Manuel Just ein Vertragswerk durchgingen und unterschrieben. Denn sie sind Experten für Soziales und Integration: Christiane Springer, die Geschäftsführerin des DRK-Kreisverbandes Mannheim sowie ihre Kollegen Karl-Heinz Konnerth vom Diakonischen Werk im Rhein-Neckar-Kreis und Bernhard Martin vom Caritasverband sowie Dana Scheil, in Weinheim die Leiterin des Amtes für Soziales, Jugend, Familie und Senioren.

Gemeinsam mit dem OB manifestierten sie jetzt eine weitere Phase der Kooperation beim Integrationsmanagement in der Stadt. Diese Zusammenarbeit gibt es bereits seit 2018 als Erfolgsmodell, wie alle drei Seiten bestätigen. Der Gemeinderat hatte bereits in seiner Sitzung im Juli einer Verlängerung zugestimmt – obwohl dieses Mal alles ein bisschen schwieriger war. Denn Bund und Land haben die Rahmenbedingungen verändert. Daher ist die aktuelle Kooperationsvereinbarung auch bis Ende 2024 befristet, denn ab Januar 2025 soll das staatliche Förderprogramm neu aufgesetzt werden. Außerdem wurden die Fördermitteln für Personalkosten pro Stelle auf 60 000 Euro gedeckelt – was nicht mehr ausreicht, wie alle Partner bestätigten. Weiteres Problem: Die Stellen waren bislang auf den jeweiligen Förderzeitraum befristet. Die Folge: es wird immer schwerer, passendes Personal zu finden und zu halten. Schließlich sollen die Integrationsmanager sogar einen akademischen Abschluss haben.

Rechnerisch 2,53 Stellen steuern die drei Wohlfahrtsverbände bei; 1,77 Stellen sind im Integrationsmanagement direkt von städtischen Mitarbeitern besetzt.

Mit der neuen Vereinbarung hat die Stadt den Kooperationspartnern nun mehr Verlässlichkeit gegeben. „Da bin ich dem Gemeinderat dankbar, dass er diesen Weg mitgegangen ist“, erklärte OB Manuel Just. Das Gremium hatte entschieden, dass die Stadt die kompletten Personalkosten außerhalb des Förderrahmens übernimmt. Das sind rückwirkend rund 16 000 Euro für das Jahr 2023 und rund 47 000 Euro im Jahr 2024. Außerdem erhalten die Verbände von der Stadt eine Zusicherung bis 2029. „Das ist jetzt ein ganz starkes Signal nach außen“, erklärten die Verbandschefs dem Rathauschef. Die Kooperation mit der Stadt sei ein Beispiel an zielführender Vernetzung, betonten sie. „Da wird grandiose Arbeit geleistet“, bescheinigte auch Manuel Just. Christiane Springer zum Beispiel verwies darauf, dass sich die Integrationsmanager der Organisationen und der Stadt gut kennen und gut ergänzen. Die Koordination erfolgt beim städtischen Fachamt durch Martin Pandikow.

Das Integrationsmanagement versteht sich als Beratungseinrichtung für geflüchtete Menschen. Ziel ist die geflüchteten Menschen in bestehende Strukturen zu integrieren und die Selbstständigkeit zu fördern. Im Jahr 2020 haben die Integrationsmanager insgesamt 4125 Beratungsgespräche geführt. Im Jahr 2022 (ohne geflüchtete Menschen aus der Ukraine) waren es 3069 Beratungsgespräche. Dana Scheil analysiert: „Die Reduzierung der Beratungsgespräche zeigt, dass die Menschen in Weinheim Fuß gefasst haben und der Unterstützungsbedarf geringer geworden ist.“ In Weinheim werden aktuell zwischen 650 und 700 geflüchtete Personen betreut.

Und der Einsatz wird hoch bleiben, so die Sozialexperten unisono. „Das Thema ist noch lange nicht erledigt“, gab Bernhard Martin zu Bedenken. Dazu kommt, dass auch die Zahl der Fälle steigt, in der die Kommunale Sozialarbeit der Stadt gefragt ist: Im Jahr 2021 waren es 302 Fälle, 2022 schon 373 Fälle – in diesem Jahr im ersten Quartal schon über 200.  Die Arbeit wird also immer mehr.