Die Wählerinitiative Bürgernetzwerk Viernheim beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit dem Thema Bildungspolitik, da sich in ihren Reihen Eltern, Lehrkräfte und Professoren befinden. Besonderes Augenmerk hatte dabei die technisch-naturwissenschaftliche Bildung (MINT). Technik beeinflusst durch Digitalisierung, Computer, Robotisierung, autonome Rasenmäher und Staubsaugroboter, Videotechnik, Smartphones, Künstliche Intelligenz, individuelle Photovoltaikanlagen u.v.a. unseren Alltag, Beruf und Freizeit umfassend. Deshalb ist ein sachgerechter, vernünftiger Umgang damit erforderlich. Bildungswissenschaftler plädieren deshalb schon lange für eine Technikmündigkeit, die Risiken und Chancen, Vor- und Nachteile, möglichen Missbrauch, Sinn und Unsinn der jeweiligen Technologien erörtert. Deshalb ist Technikbildung längst auch Allgemeinbildung, den traditionellen Naturwissenschaften gleichwertig. Zumal neue wissenschaftliche Erkenntnisse oftmals von Errungenschaften der Technik abhängen, sei es durch Supercomputer, KI/AI, Weltteleskope zum Blick in den Kosmos oder neue Elektronrastermikroskope für den Blick auf das Kleinste der Materie oder Detektoren für kleinste Atomteilchen und Gravitationswellen (Technikemanzipation).

Soziologisch ist Schule ein zentraler Ort zum Erlernen sozialen Verhaltens, politischer Bildung hin zu mündigen, demokratischen Bürger*innen und der Vermittlung von fundierten Wissen. Das Versagen der traditionellen Schule ist hierbei offensichtlich (sh. PISA-Studien). Es braucht neue Schul- und Lernformen sowie eine grundlegend veränderte Lehrerausbildung. In der Wissenschaft wird dies unter wissensbasierten, forscherorientierten Lernens (ISBM) diskutiert. Die Lernforschung belegt zudem eindeutig, dass Lernen am besten durch Haptik (Handeln und Tun, Experimentieren) und Nachdenken hin zum Erkennen und Verstehen erfolgt. Daneben beweisen alte Lernformate wie Montesorri-Schulen ihre Vorteile für die Sozialkompetenz der Schüler*innen. Das Bürgernetzwerk begrüßt deshalb z.B. die zurückliegende Studienfahrt von Schulklassen in das Konzentrations- und Vernichtungslager Ausschwitz als außerordentlich wichtige politische Bildung und Aufklärung gegen grassierende rechtsextreme Meinungen.

Zunehmend erhalten außerschulische Lernorte für freies, selbstbestimmtes Lernen an Bedeutung. Mitglieder des Bürgernetzwerkes Viernheim besuchten aufgrund der Initiative ihrer Kandidatin Heike Gander solche Lernorte, so dass Tomuzentrum Mannheim, das im Bau befindliche Schülerforschungslabor Bergstraße in Bensheim und Digispace in Heppenheim. Dabei entstanden Ideen, wie man vor Ort interessierten Schüler*innen die Teilnahme und den Besuch dieser außerschulischen Lernorte besser ermöglichen könnte, von lokalen Projekttagen aller Schulen an diesen Lernorten mit gemeinsamer Anfahrt bis hin zu einem kommunalen MINT-Bus als Elterninitiative oder Angebot der Stadtwerke und Besuche während der Ferienangeboten der Grundschülerbetreuungen.

Neubauten von Schulen eröffnen die Möglichkeit einige der o.g. Fortschritte in der Bildungspolitik bereits beim Bau zu berücksichtigen, so bei Anlage der Schulhöfe, schuleigenen Energieagenturen wie bereits an der AvH bestehend, Schülerfirmen und philosophischen Diskurs über Chancen & Risiken neuer Technologien, technischen Utopien sowie deren Sinnhaftigkeit. Hierbei sieht das Bürgernetzwerk auch die Volkshochschule (VHS) in der Pflicht solch Allgemeinbildung und politische Bildung wieder zentral ins Programm aufzunehmen!

Beim Neubau des Schulzentrums Viernheim Ost an der Walter Gropius Allee sieht das Bürgernetzwerk eine umfassende Bürger- und Jugendbeteiligung als Pflicht an. Insbesondere zur Verkehrsanbindung und Sicherheit, Lärmminderung und begrünter Sichtfront als deren Themen.

Dabei gilt es aber auch Verbesserungen an den bestehenden Schulen im Auge zu behalten. Dies betrifft die weitere Installation eines Sonnenschutzes, Umbauten und räumliche und ökologische Aufwertung der Schulhöfe, um diese nicht nur während der Pausen, sondern generell als Treffpunkt nutzen zu können wie auch zur Sicherheit und Übersicht. So berichten Lehrkräfte von zunehmender gewaltsamen Streitigkeiten unter den Kindern und Jugendlichen. Zuletzt fielen ja auch in Viernheim bei der Veranstaltung der Musikschule und von Bürgersolar-Initiative Schüler durch gewaltsame Störungen der Veranstaltung auf.

 

Wählerinitiative Bürgernetzwerk Viernheim / buergernetzwerk-viernheim.de

 

Bürgernetzwerk kritisiert Landrat

Mit Befremden hat das Bürgernetzwerk Viernheim auf die Ankündigung einer gemeinsamen Veranstaltung von Landrat Engelhardt und CDU Viernheim zur Information über das geplante Schulzentrum Ost an der Walter Gropius Allee reagiert. Denn das Bürgernetzwerk hatte seinerzeit den Landrat um eine solche Information vor Ort angefragt und sich einen politischen „Korb“ abgeholt, sprich Absage vor der Wahl aus Termingründen. Nun hat der Landrat jedoch Zeit gefunden für die örtliche CDU. Das Bürgernetzwerk wäre offen gewesen für eine gemeinsame Infoveranstaltung, auch mit weiteren Parteien. Es ist legitim, dass die CDU Viernheim versucht das Bildungsthema zu besetzen, besser wären jedoch gemeinsame Initiativen für eine bessere lokale Bildungslandschaft.

Dieser stilistische Fauxpas tut jedoch dem gemeinsamen Interesse an einer besseren Bildungslandschaft für Kinder und Jugendliche keinen Abbruch. Generell begrüßt das Bürgernetzwerk deshalb diese öffentliche Information. Das neue Schulzentrum eröffnet – richtig angegangen – enorm viele Chancen für eine dringend notwendige Bildungsoffensive in Viernheim, ist aber mit etlichen Veränderungen der Infrastruktur für die bisherigen Anwohner verbunden. Verkehr, Lärm- und Sichtschutz gehören dazu. Chancen könnten darin liegen, dass eine umfassende PV-Installation die Anwohner aus erneuerbaren Energien gewonnenen Strom mitversorgen könnte.

Das Bürgernetzwerk sieht Bildung als eine überparteiliche Aufgabe an, denn das bisherige Wirrwarr der föderalen Bildungspläne sowie die Abhängigkeit der Bildungspolitik von parteipolitischen Ideologien und Dogmen muss im Interesse der Schülerschaft ein Ende finden. Dies kann zwar vor Ort nur bedingt verändert werden, aber mit Ideenreichtum und Mut sich gegen unsinnige Verordnungen der „Schulobrigkeit“ aufzulehnen, sind allemal einen Versuch wert. Die erfolgreiche Energieagentur der AvH-Schule kann hierfür ebenso Vorbild sein wie das Europäische Fotozentrum an der Fröbelschule, deren Forschungswerkstatt oder die UNESCO-Initiative Die Vernetzung zwischen den Schulen kann durchaus die Stadt voranbringen.

Im neuen Stadtparlament wird sich das Bürgernetzwerk deshalb dafür einsetzen, dass eine gemeinsame Bildungspolitik diskutiert, beschlossen und gemeinsam mit dem Kreis als Schulträger umgesetzt wird. Im Zweifelsfalle käme auch in Betracht, dass die Stadt Viernheim die Trägerschaft für einzelne Schulen übernimmt. In die konkrete Ausgestaltung der Angebote sollten Eltern, Jugendliche, Schüler und Anwohner eingebunden werden mittels Formaten der Jugend- und Bürgerbeteiligung. Eventuell ließe sich auch ein selbstverwaltetes Jugendzentrum in diesen Schulneubau integrieren. Der Schulhof könnte Ereignislandschaft sowie als Open-Air-Konzertstätte akustisch gestaltet sein, das Gebäude energetisch und architektonisch auf den neuesten Stand sein, Urban Gardening-Projekte, Fassadenbegrünung, Essecke mit Obst und Gemüse, ein Schulgarten mit Baumbestand bis hin zur artgerechten Tierhaltung könnten ökologische Akzente setzen.

 

Wählerinitiative Bürgernetzwerk Viernheim / buergernetzwerk-viernheim.de