Mehr Fragen als Antworten

 

Die Stellungnahme der Stadtverwaltung Viernheim zu den Gerüchten um die Schließung des Horts in der Kirschenstraße (siehe VT/Vo vom 30.05.2026 „Gerüchte um AWO-Hort sorgen für Verunsicherung“) sollte offenbar für Klarheit sorgen. Tatsächlich hinterlässt sie vor allem eines: neue Fragen.

 

Denn was wird dort eigentlich klargestellt?

Die Stadt erklärt, es gebe keine Entscheidung über eine Schließung des Horts zum 31. Juli 2026. Das mag zutreffen. Doch woher stammt eigentlich dieses Datum? Ab dem 1. August 2026 tritt zwar der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Kraft, doch zunächst wird sich hier für alle Beteiligten nichts ändern. Für Eltern in Viernheim ist das durch den „Pakt für den Ganztag“, der jedem Kind, das für die Nachmittagsbetreuung angemeldet wird, auch einen Platz garantiert, eher der finale, rechtliche Stempel auf ein System, das sich die Stadt und die Schulen in den vergangenen Jahren bereits mühsam und erfolgreich aufgebaut haben.

 

Warum entstand trotzdem das Gerücht um die Schließung des Horts? Die Stellungnahme gibt darauf keine Antwort. Doch wer diese Gerüchte grundsätzlich ausräumen möchte, könnte schlicht erklären, dass der Hort bestehen bleibt oder dass eine Schließung nicht geplant ist. Stattdessen wird ein Stichtag zurückgewiesen, und genau dadurch entstehen neue Spekulationen. Denn wenn die Stadt lediglich erklärt, dass es keinen Beschluss für eine Schließung zum 31. Juli 2026 gibt, stellt sich zwangsläufig die Frage: Was ist mit einem späteren Zeitpunkt? Wer die Sorgen der Eltern wirklich beseitigen möchte, sollte mehr sagen als nur, was bislang nicht beschlossen wurde.

 

Hinzu kommt, dass die Stadt selbst bestätigt, dass die hohen Kosten der Einrichtung bereits Gegenstand politischer Beratungen waren. Die Zukunft des Horts wurde also durchaus thematisiert. Die Sorgen vieler Eltern und Beschäftigter sind daher keineswegs aus der Luft gegriffen. Gerade deshalb drängt sich eine weitere Frage auf: Wie konnte ein solches Gerücht überhaupt entstehen? Hinzu kommt, dass diese Stellungnahme bereits vor Veröffentlichung des Leserbriefes, auf den darin verwiesen und in dem ebenfalls kein Datum genannt wird, in den sozialen Medien erschien.

Wenn die Zukunft des Horts völlig unstrittig ist, warum sieht sich die Stadt dann zu einer öffentlichen Klarstellung veranlasst? Weshalb genügt nicht ein eindeutiges Bekenntnis zum Fortbestand der Einrichtung? Stattdessen erhalten die Bürger eine Erklärung, die vor allem beschreibt, welche Entscheidung noch nicht getroffen wurde.

 

Auch die politische Dimension darf dabei nicht ausgeblendet werden: In Viernheim bestehen seit vielen Jahren enge personelle Verbindungen zwischen kommunaler Politik und sozialen Trägern. Das ist weder ungewöhnlich noch verwerflich. Umso mehr darf man jedoch erwarten, dass bei einem derart sensiblen Thema vollständige Transparenz herrscht. Gerade deshalb stellt sich die Frage, ob hinter den Kulissen möglicherweise intensiver über die Zukunft des Horts gesprochen wird, als dies öffentlich erkennbar ist.

 

Die Stadt hat möglicherweise das Gerücht eines bereits feststehenden Schließungstermins entkräftet. Die eigentliche Sorge vieler Eltern hat sie jedoch nicht ausgeräumt. Zudem herrscht für die dort Beschäftigten weiterhin Unklarheit über ihre Zukunft: Ist vielleicht eine schrittweise Rückführung geplant, in der zunächst ein Aufnahmestopp für Erstklässler vorgesehen ist? Kinder müssten nicht gekündigt werden, was den Unmut der Eltern verhindern würde. Es würden Räume frei werden, die für den Kindergarten genutzt werden könnten. Auch Personal könnte umgeplant werden. Angestellte und auch die Leitung bleibt die Unsicherheit über die Zukunft des Horts.

 

Wer Verunsicherung wirklich beseitigen möchte, sollte nicht nur erklären, welche Beschlüsse noch nicht gefasst wurden. Er sollte klar sagen, welche Zukunft er für den Hort sieht. Solange dies nicht geschieht, bleibt der Eindruck bestehen, dass die Stellungnahme mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet.

Heike Gander
stellvertretende Fraktionsvorsitzende des Bürgernetzwerks Viernheim