Staatssekretärin Katrin Hechler überreicht die weitere Förderung des Projekts „ViernheimVerbindet“

Manchmal braucht es nur Musik, um Menschen einander näherzubringen. Genau darum ging es bei dem Mitmach-Konzert „Musikalische Brücken“ veranstaltet von Lernmobil e.V. in der Auferstehungskirche in Viernheim am vergangenen Freitag.

        

Foto: Lernmobil Viernheim e.V.

Viernheim (Lernmobil) – Pfarrer Markus Eichler von der Evangelischen Auferstehungsgemeinde begrüßte als Gastgeber die anwesenden Gäste. Er wies in seiner kurzen Ansprache auf die Bedeutung und die Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs hin. Nicht die Religionen seien Ursache von Krieg und Gewalt, sie ständen vielmehr für Frieden und Zusammenhalt unter den Menschen. Nur wenn Religionen für politische und andere Zwecke missbraucht würden, würden Menschen darunter leiden.

Die Konzertveranstaltung war eingebettet in das große Projekt „Demokratie schafft Teilhabe – ViernheimVerbindet“, ein aus acht Teilprojekten bestehendes Kooperationsvorhaben vom Lernmobil zusammen mit der Stadt Viernheim. Das Konzert bildete gleichzeitig einen Höhepunkt im Rahmen von Veranstaltungen zum 40jährigen Bestehens des Vereins Lernmobil. Eines dieser Teilprojekte ist „ViernheimVerbindet – mehr als du glaubst“. Es ist die Fortsetzung des Beteiligungsformats „Forum der Religionen“, das sozusagen in „ViernheimVerbindet“ eine neue Heimat gefunden hat.

Das Gesamtprojekt „ViernheimVerbindet“ wird vom Sozialministerium des Landes Hessen gefördert. Daher war als besonderer Gast Frau Staatssekretärin Katrin Hechler gekommen und überreichte bei der Gelegenheit den Weiterbewilligungsbescheid zum Projekt „Demokratie schafft Teilhabe – ViernheimVerbindet“. Dieses Projekt leiste einen großen Beitrag zur Demokratieförderung und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. so die Staatssekretärin. Den Förderbescheid bringe sie gerne persönlich vorbei, auch um zeigen, dass man in Wiesbaden gerne und schon lange mit dem Verein Lernmobil zusammenarbeite.

Weiter begrüßten als Veranstaltende die beiden Gründer von Lernmobil e.V., Dr. Brigitta Eckert und Dr. Gerd Baltes, die Gäste mit den Worten: „Wir knüpfen mit diesem Konzert schon an eine kleine Tradition: Während das heutige Konzert im Rahmen des 40-jährigen Bestehens unseres Vereins stattfindet, durften wir in ebendieser Kirche ebenfalls ein interreligiöses Konzert zum 25-jährigen Bestehen anbieten.“

Viernheim sei geprägt von einer vielfältigen Stadtgesellschaft. Menschen mit unterschiedlichsten kulturellen und familiären Hintergründen, Religionen und Lebensgeschichten lebten hier nicht nur zusammen, sondern gestalteten das gesellschaftliche Leben aktiv mit. Doch seien auch hier gesellschaftliche Entwicklungen wahr zu nehmen, die – wie überall in Deutschland – geprägt seien von zunehmender Polarisierung, weniger Begegnungen und schwindender Gesprächsbereitschaft. Genau hier setze das Projekt an: „ViernheimVerbindet“ schaffe neue Begegnungen, Diskurse und Austausche. Dabei sei „ViernheimVerbindet“ weit mehr als nur ein schlagkräftiges Motto – es ist ein Auftrag an uns alle. Dahinter stehe die tiefe Überzeugung, dass Vielfalt eine wertvolle Ressource und das Fundament einer lebendigen Demokratie sei, so Dr. Brigitta Eckert. Eine starke Gemeinschaft lebe davon, Brücken zu bauen.

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigen die bereits durchgeführten Veranstaltungen im Rahmen des Projektes: Sei es bei der Viernheimer Buchmesse, die mit gut 1.000 Besucherinnen und Besuchern ein großer Erfolg war und den großen Sprachenreichtum unserer Stadt eindrucksvoll sichtbar machte, sei es beim Nachbarschaftsfest in der Moschee, bei dem Menschen aus der direkten Umgebung oft zum allerersten Mal wirklich miteinander ins Gespräch kamen, sei es durch das Projekt „Vom Weggehen und Ankommen – Viernheimer Migrationsgeschichte(n)“, welches lebhaft vor Augen führt: Migration war schon immer ein Teil von Viernheim und prägt unsere Stadt auf vielfältigste Weise bis heute. Diese Formate verstehen sich nicht als kurzfristige Kampagne, sondern als einen nachhaltigen Beitrag zur Stärkung unserer Demokratie. Ganz nach dem Motto: Viernheim ist das, was du draus machst.

Die Gäste erlebten einen ganz besonderen Abend, ganz im Zeichen von Frieden, Vielfalt, Begegnung und gegenseitigem Respekt. Drei Musiker*innen von „Kultur-der-Religionen“ aus Mannheim, Emre Erol (Kanun und Gesang), Andrea Setzer-Blonski (Bratsche, Gesang und Bewegung) und Eren Erol (Du, Rahmentrommel und Gesang) spielten jüdische, türkisch-arabische und christliche Musik. Die beiden Musiker und die Musikerin von „Kultur der Religionen“ repräsentieren dabei jeweils ein Stück deutscher Geschichte: während Frau Setzer-Blonski Enkelin deutscher Juden ist, die rechtszeitig aus Deutschland nach Brasilien auswandern konnten, sind die beiden Brüder Erol Nachfahren türkischer Immigraten der dritten Generation. Sie wurden an der Mannheimer Pop-Akademie im Bereich „Global Music“ ausgebildet. Frau Setzer-Blonski war unter anderem Musiklehrerin.

    

Die Gäste wurden neben dem Genuss der Musik aus drei abrahamitischen Kulturen animiert mitzusingen, zu tanzen und sich dabei die Hände zu reichen. Anschließend gab es einen Umtrunk im lauschigen Garten der Auferstehungsgemeinde mit regem Austausch unter den Gästen.

Es war ein sehr berührender Abend mit der Musik aus verschiedenen und dennoch verwandten Kulturen und religiösen Traditionen, eine Begegnung auf Augenhöhe und gegenseitigem Respekt.

Muslimische und jüdische Künstler*innen standen gemeinsam auf der Bühne in einer christlichen Kirche, Gäste unterschiedlichster Herkunft sangen und tanzten gemeinsam und repräsentierten das, wofür „ViernheimVerbindet“ steht: Vermeintliche Grenzen werden überwunden und durch die Musik entstand etwas ganz Neues, etwas Gemeinsames. Dieses Konzert zeigte eindrucksvoll, dass ein friedliches und respektvolles Miteinander möglich ist!