Leserbrief von UnabhängigeBürgerViernheim
Viernheimer Abrisstradition
Der Abriss von Gebäuden hat in Viernheim Tradition. Ich möchte hier nicht alle Beispiele aufzählen, bei denen erhaltenswerte Bauten verschwunden sind, das Alte Rathaus genügt als Symbol. Damals wie heute waren sich die Verantwortlichen einig: Das Alte muss weg, etwas Neues muss her.
Heute stehen an vielen Stellen Hochhäuser, Hauptsache neu. Und erneut stehen wir vor der Frage: Soll das alte Rathaus abgerissen und durch etwas völlig Neues ersetzt werden? Dabei sind dort noch immer wichtige Verwaltungsbereiche untergebracht, etwa das Ordnungsamt oder das Standesamt. Erst kürzlich wurde ein Teilbereich mit großem finanziellem Aufwand saniert, in dem nun ein Kindergarten untergebracht ist. Wo sollen all diese Einrichtungen hin, wenn abgerissen wird?
Oder ist eine zweite Ellipse als ein weiteres Verwaltungsgebäude im Sinn?
Die Wünsche und Vorschläge klingen beeindruckend: eine Tiefgarage zur Sicherung von Parkplätzen oder ein doppelstöckiges Parkhaus, KI-generierte Entwürfe mit schlossparkähnlichem Ambiente, Einkaufsmöglichkeiten und eine gemütliche grüne Oase zum Verweilen im Schatten.
Doch die entscheidende Frage lautet: Wie soll das finanziert und realistisch umgesetzt werden?
Ein Investor? In einer inzwischen weitgehend beruhigten Innenstadt, in der kaum Rendite zu erzielen ist? Die Stadt selbst? Der Haushalt ist tief im Minus, selbst für die dringend notwendige Instandhaltung der Straßen reicht das Geld noch nicht mal aus. Eine Verbesserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Laut vorliegender Haushalts-Finanzplanung muss die Grundsteuer bis 2027 auf über 1200 Punkte steigen, um überhaupt genehmigungsfähig zu bleiben.
Träumen überlassen wir gerne Anderen. Die UBV blickt realistisch in die Zukunft und verfällt nicht in Wunschdenken darüber, wie schön alles sein könnte.
Unsere Bürgerschaft entscheidet am 15. März, wie es in Viernheim weitergeht, ob künftig Wunschdenker oder Realisten die Mehrheit haben.
Walter Benz
Fraktionsvorsitzender der
UnabhängigeBürgerViernheim



