Umringt von Mitspielern und Verantwortlichen reckt Dinara Wagner im Willy-Brandt-Haus den Meisterpokal in die Höhe. | Foto: Angelika Valkova/SC Viernheim

Viernheim (SC) – Der SC Viernheim ist Deutscher Meister 2026. Mit 30:0 Mannschaftspunkten und einem Rekordvorsprung von sieben Punkten vor der Konkurrenz beendeten die Südhessen die Saison 2025/26 in der Schachbundesliga. Den zweiten Meistertitel in der gut 90-jährigen Clubgeschichte gewannen die Viernheimer jetzt beim dreitägigen Bundesliga-Finale im Willy-Brandt-Haus in Berlin, wo alle 16 Bundesligateams zusammenkamen, um vor mehr als 1000 Zuschauern vor Ort und einem Vielfachen davon im Internet die letzten drei Runden der Saison 2025/26 auszutragen.

 

Entscheidender Sieg über Baden-Baden

 

Den entscheidenden Sieg landete der SC Viernheim in der 14. und vorletzten Runde im direkten Duell gegen den Dauerrivalen OSG Baden-Baden. Um ihre theoretische Chance zu wahren, hatten die Baden-Badener unter anderem Exweltmeister Viswanathan Anand und die deutsche Nummer eins Vincent Keymer aufgeboten. Trotzdem hätte der knappe 4,5:3,5-Sieg der Viernheimer deutlicher ausfallen können.

 

Teamgeist und Zusammenhalt

 

5 der 15 Saisonsiege fielen mit dem knappstmöglichen Ergebnis von 4,5:3,5 aus, darunter beide direkten Duelle gegen die Verfolger Baden-Baden und Wolfhagen beim Finalwochenende. Dass es für Viernheim fast immer reicht und dass die Nerven halten, wenn es knapp wird, erklärt Teamchef Stefan Martin nicht erst seit der jetzt abgelaufenen Saison mit einem Wort: Teamgeist.

 

Mit einer 25-köpfigen Delegation war der SC Viernheim in Berlin angetreten. Der Zusammenhalt ließ sich in der letzten Runde gegen den SC Heimbach-Weis-Neuwied besichtigen. Der Meistertitel stand schon fest, aber es ging noch darum, die 30:0-Bilanz sicherzustellen. Dann verlor Dinara Wagner eine eigentlich gewonnene Partie durch Zeitüberschreitung, und es wurde wieder einmal knapp. Wagner hatte angenommen, die bei der Zeitkontrolle erforderlichen 40 Züge ausgeführt zu haben, aber ihr war ein Notationsfehler unterlaufen. Es waren erst 39, und so ging die Partie verloren, obwohl auf dem Brett eine gewonnene Stellung stand.

 

Wagners Gatte und Teamkollege Dennis Wagner verfolgte die Tragödie aus unmittelbarer Nähe. Er saß daneben. Erst tröstete er seine Frau, und dann kniete er sich umso mehr in seine Partie, um trotz der unnötigen und unerwarteten Null am Nebenbrett den Mannschaftssieg sicherzustellen. Dennis Wagner gewann, und am Ende standen unter dem Strich einmal mehr 4,5 Punkte für Viernheim – das dritte 4,5:3,5 beim Finalwochenende.

 

15 Spieler und eine Spielerin kamen im Lauf der Saison zum Einsatz. Von 120 gespielten Partien gingen nur 6 verloren. Dauerbrenner war Großmeister Bassem Amin, der als einziger Viernheimer in allen 15 Runden spielte und 11,5 von 15 möglichen Punkten erzielte. Die meiste Aufmerksamkeit erzielte Yagiz Kaan Erdogmus, der abseits seiner Bundesligaeinsätze für Viernheim zuletzt mehrere Altersrekorde pulverisiert hat. Der schon zur vergangenen Saison verpflichtete 14-Jährige ist mittlerweile auf Rang 31 der Weltrangliste geklettert. Nie zuvor in der Geschichte des Schachsports war ein Spieler so jung so gut.

 

Den Titel auch für die Stadt geholt

 

Hinter dem Titel steckt die Arbeit eines Vereins, der sich bewusst ist, was er für seine Stadt bedeutet. Viernheim ist kein Schachzentrum mit langer Bundesligatradition. Und doch unterstützt die Gemeinde ihren Schachclub nach Kräften. Neben seinen Jugend- und Schulangeboten will der Club mit Renommee und Aufmerksamkeit zurückzahlen. Den Titel habe der Verein auch für seine Stadt geholt, erklärt Martin.

 

Pokal: Gelingt das Double?

 

Der Meistertitel ist geschafft, aber zu Ende ist die Saison noch nicht. Jetzt steht die Frage im Raum, ob die Viernheimer wie 2024 das Double schaffen. Die Antwort wird die Pokal-Endrunde Ende Mai in Erkenschwick erbringen. Dort geht es gegen drei andere Bundesligisten: die OSG Baden-Baden, die SF Berlin sowie den gerade aus der zweiten Liga aufgestiegenen Gastgeber SV Erkenschwick.   

 

Der Verein: Mit mehr als 160 Mitgliedern (fast die Hälfte unter 25 Jahre) ist der stetig wachsende SC Viernheim jetzt schon der größte Schachclub im Rhein-Neckar-Raum, im Spielbetrieb von der Kreisklasse bis zur Bundesliga vertreten. Unter dem Dach des SC Viernheim vereinen sich Spitzen- und Breitensport sowie Nachwuchsförderung. Der Verein bietet Jugendtraining in mehreren Leistungsklassen an, betreut Schulschach-Arbeitsgemeinschaften und engagiert sich im Hochschulschach.

 

Der Sponsor: d-fine, europäisches Beratungsunternehmen mit Hauptsitz in Frankfurt, beschäftigt 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Fokus auf mathematischer Modellierung, technologischem Fortschritt und Data Science liegt. Als Sponsor unterstützt d-fine den Schachsport, speziell den SC Viernheim und das Hochschulschach.