Foto: Lions Club Viernheim

Viernheim (GD/Lions Club) .- „Es waren eindrucksvolle Tage hier in Kappadokien, die nicht nur die beiden Lions- Distrikte zusammengeführt, sondern auch einen Beitrag zur Völkerverständigung geleistet haben“, stellte Governor Dr. Holger Drescher beim abschließenden Galaabend im Dachrestaurant des Tagungshotels fest. 30 Jahre besteht die Jumelage bereits . „Damals war Helmut Kohl noch Bundeskanzler und Recep Tayyip Erdogan war Bürgermeister von Istanbul.“ Für die Gastgeberinnen bedankte sich Frau Distrikt- Governorin Dr. Zerrin Öztürel bei den deutschen Gästen für den Besuch: „Wir befinden uns in einer der faszinierendsten Regionen der Welt. Es ist eine märchenhafte Landschaft aus Feenkaminen und jahrtausendealter Geschichte. Eine ideale Umgebung, um gute Freundinnen und Freunde zu begrüßen und sich auszutauschen.“

 

34 Personen umfasste die Reisegruppe, die der Lions Multi- Distrikt 111 in die Türkei entsandt hatte, davon 10 Teilnehmer aus Viernheim, angeführt vom Past Governor Manfred Fraas. Insgesamt nahmen 60 Personen an der dreitägigen Veranstaltung teil.

Mit Turkish Airlines – welch glückliche Fügung angesichts des Lufthansa- Streiks – ging es am Freitag über Istanbul nach Nevsehir. Dort warteten bereits die Gastgeberinnen, um die Gäste im Reisebus zu den ersten Sehenswürdigkeiten zu geleiten. Felsformationen in bizarren Formen regen in Pasabag (Tal der Mönche) die Fantasie der Besuchergruppen an. Spektakulär sind die zwei- und dreiköpfigen Pilzformationen und das steinerne Kamel. Geologisch interessant: Die Arabische Halbinsel drückt sich unter Kappadokien, das früher unter Wasser stand. Auf ca. 1000 Meter Meereshöhe dominierten frische, meist einstellige Temperaturen.

 

Im Hotel folgte dann der nächste „Aha-Effekt“. Die Gäste wurden in historischen Gemäuern untergebracht, die an Harry Potter’s Hogwarts oder Graf Draculas Schloss erinnerten.  Der Frühstücksraum war in einer ehemaligen Kapelle mit einem Kreuz an der Wand zu finden. Die Architektur gab damit einen zarten Hinweis auf christliche Wurzeln. In der Nachbarschaft rief fünfmal täglich der Muezzin vom Turm der örtlichen Moschee zum Gebet. Damit war klar, welche Religion aktuell im Land und in der Region dominiert. Auf die Frage „Wo sitzt der Muezzin?“ antwortete ein Kenner in der Reisegruppe „Nirgends, der Ruf kommt vom Band“… Personalmangel und Säkularisierung machen sogar vor Kappadokien nicht Halt.

 

Nicht immer war das so. Spuren der griechisch- orthodoxen Kirche finden sich an manchen Orten. Sogar in den Tiefen der früheren Felsenwohnungen, z.B. in Zelve. Das dortige Freilichtmuseum beinhaltet Klöster, Kirchen und Kapellen sowie eine in Fels gehauene Dorfmoschee. Taubenschläge wurden zur Düngergewinnung in der Landwirtschaft genutzt. In den heißen Sommermonaten wurden die Höhlen nicht nur als klimatisierte Wohnungen, sondern auch als gekühlte Lager für Lebensmittel genutzt. Bis 1952 waren die Höhlen noch bewohnt.

 

Ein weiteres Highlight war der Besuch einer Teppichmanufaktur, bei dem die Besucher den Teppichknüpferinnen über die Schulter schauen konnten. Wolle, Baumwolle, Bambus und Seide wurden in atemberaubender Geschwindigkeit verarbeitet. Die deutschen Gäste staunten deshalb nicht schlecht, als sie hörten, dass ein per Handarbeit gefertigter Teppich je nach Größe zwischen 6 und 18 Monaten Fertigungszeit hat. Virtuos glitten am Ende der Führung „fliegende Teppiche“ durch den Raum. Eine Besucherin ergriff die Gelegenheit, kaufte einen davon und das Handgepäck war um ein Stück erweitert. Die ständig wechselnden Preise und die flink über die Rechenmaschine gleitenden Finger der Verkäufer gaben einen realistischen Eindruck vom orientalischen Basar…

 

Die gemeinsame Activity der türkischen und deutschen Lions konzentrierte sich auf die Unterstützung einer Grundschule und eines Kindergartens. 25 besonders bedürftige Kinder, zum Teil aus Flüchtlingsfamilien, erhielten Anoraks, Rucksäcke und Trinkflaschen. Jedes deutsche Delegationsmitglied brachte absprachegemäß zusätzlich Schreibmaterial, Mäppchen, Knete und Buntstifte mit. Spontan ergaben sich noch drei private Computerspenden. Das dankbare Lächeln der sehr diszipliniert auftretenden Kinder sorgte für manche Träne der Rührung in den Augen der Lions. Letztlich verbindet die gemeinsame Activity über die Landesgrenzen und Kulturen und motiviert zur Fortsetzung und Vertiefung. Einziger Wermutstropfen der Reise war die wetterbedingt abgesagte Ballonfahrt über das sog. „Tal der Liebe“. Ein Grund für manche Teilnehmer zum Wiederkommen!

 

Beim türkischen Abend überzeugten mehrere Lions beim Bauchtanz. Ein weiblicher Fan steckte Christian als Stargast des Abends aus der deutschen Delegation sogar einen Geldschein zu als Zeichen der Anerkennung.

Krönender Abschluss war der Galaabend, wo nach dem Abspielen und Singen der türkischen und deutschen Nationalhymnen (stimmgewaltiger waren eindeutig die türkischen Gastgeber…) offizielle Grußworte der beiden Governor folgten. Last not least folgte die Würdigung des aktiven Vorbereitungsteams um Hüseyin im gastgebenden Distrikt und des deutschen Organisationsteams mit Aynur Coskun und Dr. Iris Kocak-Laue. Alle freuen sich schon auf das nächste Jahr, wenn im April 2027 die deutschen Lions wieder Gastgeber sein werden, diesmal in Koblenz.