Antwort zum Leserbrief von Wolfram Theymann „Hitzestreß als Folge des Klimawandels“ vom 13. Juli
Die persönlichen Bemerkungen im Leserbrief möchte ich bewusst nicht kommentieren. Wichtiger erscheint mir die sachliche und fachliche Einordnung der angesprochenen Inhalte. Dabei geht es zunächst um eine wesentliche Klarstellung: Weder wurde von mir behauptet noch war Gegenstand der Diskussion, dass ein einzelner Baum oder – wie im Leserbrief formuliert – ein „Stück Baum“ 5.000 Euro koste. Meine Argumentation bezog sich vielmehr auf die Gesamtkosten, die im Zusammenhang mit Entsiegelungsmaßnahmen und der Schaffung neuer Baumstandorte entstehen können.
Die im Leserbrief von Hr. Theymann angeführten Zahlen aus dem Mannheimer Entsiegelungskonzept stehen hierzu übrigens nicht im Widerspruch. Vielmehr werden hier Äpfel mit Birnen verglichen.
Die Stadt Mannheim weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass die Kosten von Entsiegelungsmaßnahmen erheblich variieren. Zitat: „Die Kosten für eine vollständige Entsiegelung können je nach Bestandssituation erheblich variieren. Verschiedene Faktoren beeinflussen die Kosten, darunter Material, Unterbau, Baustelleneinrichtung, Bodenaushub und Bodenbelastungen, Auswahl Oberboden und Bepflanzung. Die Kosten für die Entsiegelung liegen zwischen 60,00 und 230,00 EUR/m².“ Diese Angaben beziehen sich auf allgemeine Entsiegelungsmaßnahmen, wie die von Stellplätzen oder ähnliches und nicht auf die Schaffung neuer Baumquartiere. Es handelt sich daher letztlich um einen Vergleich unterschiedlicher Maßnahmen mit unterschiedlichen Anforderungen. Wer eine bereits versiegelte Fläche entsiegeln möchte, entfernt nicht lediglich einige Quadratmeter Asphalt und pflanzt anschließend einen Baum. Je nach Ausgangssituation müssen zunächst Asphalt- oder Betonflächen aufgenommen und entsorgt, Untergründe ausgebaut, gegebenenfalls belastete Böden ausgetauscht sowie neue Vegetationstragschichten und Oberboden hergestellt werden.
Gerade im innerstädtischen Bereich kommen regelmäßig weitere Herausforderungen hinzu. Unter vielen Flächen verlaufen Strom-, Wasser-, Gas-, Telekommunikations- oder Abwasserleitungen, die berücksichtigt, geschützt oder gegebenenfalls angepasst werden müssen. Hinzu kommen Anforderungen an Bewässerung, Belüftung und die Herstellung ausreichender Wurzelräume, damit Bäume langfristig gesund wachsen können. Die sichtbare Baumscheibe von wenigen Quadratmetern stellt dabei lediglich den kleinsten Teil des eigentlichen Baumstandortes dar. Entscheidend ist insbesondere der deutlich größere unterirdische, durchwurzelbare Raum, der in dicht bebauten Städten wie Viernheim häufig nur mit erheblichem technischem und baulichem Aufwand hergestellt werden kann. Die Kosten entstehen daher nicht durch den Baum selbst, sondern durch die Gesamtmaßnahme, deren Umfang und Aufwand stets von den örtlichen Gegebenheiten abhängen.
Zur Vollständigkeit gehört außerdem der Hinweis, dass sich der betreffende Antrag des Bürgernetzwerks nicht auf einzelne abmarkierte Verkehrsflächen beschränkte. Vorgesehen war vielmehr die Erfassung sämtlicher öffentlichen Beton- und Asphaltflächen über fünf Quadratmeter im gesamten Stadtgebiet, die Prüfung möglicher Entsiegelungspotenziale einschließlich Baumstandorten, die Untersuchung möglicher Fassadenbegrünungen an städtischen Gebäuden sowie mögliche Förderprogramme zur Begrünung von privaten Hausfassaden.
Die Frage lautet daher nicht, ob unsere Städte mehr Klimaanpassung benötigen – darüber herrscht vielleicht sogar Einigkeit. Die entscheidende Frage ist vielmehr, wie wir die zur Verfügung stehenden personellen und finanziellen Ressourcen möglichst wirksam und zielgerichtet einsetzen.
Kommunalpolitik bedeutet dabei, Chancen und Ziele mit Aufwand, Umsetzbarkeit und den tatsächlichen Rahmenbedingungen zusammenzudenken – und nicht, komplexe Fragestellungen auf eingängige Einzelbeispiele zu verkürzen.
Genau darin liegt die Aufgabe verantwortungsvoller Kommunalpolitik.
Jörg Scheidel
Erster Stadtrat




