Spielplatz, Boulebahn, Natur- und Ruhezonen und Versickerungsflächen für Niederschlagswasser werden neu angelegt – Im Rahmen des Stadtumbaus „Viernheim Weststadt“        

Markus Zedlitz (v. l.), Maxime Hähnel, Frank Ewert und Bürgermeister Matthias Baaß stellen die Umbaumaßnahmen zur Neugestaltung des Tivoliparks vor.
Foto: Stadt Viernheim

Viernheim (Stadt Viernheim) – Der Tivolipark ist in Viernheim eine zentrale Grünfläche mit einem schönen alten Strauch- und Baumbestand und vielfältigen Kunstwerken. Er soll ein Aufenthaltsort für alle Altersgruppen sein und nun grundlegend umgestaltet und aufgewertet werden.

 

Bei einem Pressetermin informiert Bürgermeister Matthias Baaß gemeinsam mit den Mitarbeitern vom Amt für Stadtentwicklung und Umweltplanung über den aktuellen Planungsstand der Maßnahmen. Bis zum 7. September 2021 sind geeignete Landschaftsbau-Unternehmen gebeten, ihre Angebote abzugeben. Die Vergabe durch den Magistrat sei für September und der Baubeginn der umfangreichen Arbeiten für November geplant, so Baaß.

 

Durch die geplante Umgestaltung der Parkanlage sollen die vorhandenen Flächen in attraktive Spiel-, Bewegungs-, Aufenthalts- und Kommunikationsorte umgewandelt werden.

In den letzten Jahren gab es dazu bereits viele Treffen mit umfangreichen Bürgerbeteiligungen. Alle Erfahrungen aus der Vergangenheit sind in die Planung eingeflossen, erläuterte Bürgermeister Matthias Baaß: beispielsweise die aktive Bürgermithilfe bei der Pflege der Anlage, Beschwerden über zu hoch gewachsenes Unkraut, die Bereitstellung eines Bauwagens für die Jugendförderung, Petitionen zum Umbau und die Neuanschaffung von Spielgeräten.

 

Mit Hilfe verschiedener Förderprogramme könnte vieles auch umgesetzt werden. So würde beispielsweise auch das Regenwasser von Teilen der Mozart- und Beethovenstraße zukünftig im Bereich des Parkes versickern, um im Nebeneffekt die Kanalisation zu entlasten. Circa 10.000 Stauden, und 2600 Gehölze werden gepflanzt. Risse und Unebenheiten in den Wegen würden der Vergangenheit angehören und eine Vielzahl an Schattenplätzen für heiße Sommertage würde geschaffen, um nur einige Vorzüge der Maßnahme zu beschreiben.

 

„Die Umgestaltung des Tivoliparks ist eine Maßnahme innerhalb des Bund-Länder-Programms „Stadtumbau in Hessen“ und wird unter Einsatz von Mitteln aus dem Förderprogramm „Stadtumbau West / Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ sowie unter Einsatz von Landes- und Bundesmitteln aus dem Programm „Klimaschutz“ gefördert“, erläutert Frank Ewert, Amtsleiter des Amtes für Stadtentwicklung und Umweltplanung. Der Baubeginn sei zum November geplant und die Umbaumaßnahmen sollten bis Juli 2022 fertig gestellt werden. Dies hinge natürlich auch von der jeweiligen Baufirma und den Pflanz- und Witterungsbedingungen ab. Die reine Bauzeit umfasse ein dreiviertel Jahr.

 

Umgestaltung Tivolipark – aufgeteilt in nördlichen und südlichen Teil

Im Entwurf der BHM Planungsgesellschaft mbh ist die Unterteilung der Anlage in einen nördlichen und einen südlichen Teil vorgesehen. „Dabei soll der südliche Park eher einen ruhigen Bereich bilden, der nördliche Park den aktiven Teil “, erklärt Maxime Hähnel vom Planungsamt.

 

Beim nördlichen Teil handelt es sich um den Bereich zwischen der Kindertagesstätte St. Hildegard und den mittleren Zugängen von der Beethovenstraße und der Richard-Wagner-Straße. In diesem Teil ist geplant, die Spielplatzfläche zu erhalten und die Spielgeräte durch ansprechende, zeitgemäße Anlagen zu ersetzen. Im Nordwesten soll ein Fitnessbereich untergebracht und im mittleren Bereich eine große zentrale Spielwiese angelegt werden. Weiterhin ist geplant, im südlichen Bereich einen Treffpunkt zu gestalten, der auch für kleinere Veranstaltungen genutzt werden kann sowie im Nordosten einen naturnahen Bereich zu schaffen.

 

Der Spielplatz wird in zwei Bereiche eingeteilt und durch zweimal zwei Meter hohe Spielhügel getrennt. Für den Bereich der Kleinkinder auf der östlichen Seite sind Spielgeräte aus Holz mit Rutsche und Kletterelementen, ein Miniwipper und eine Korbschaukel vorgesehen. Im Bereich für die größeren Kinder in der westlichen Hälfte soll eine Kletter-Pyramide mit Rutsche und Seilparcours installiert und die vorhandene Doppelschaukel wieder eingebaut werden.

 

„Durch diese Vielfalt ist es im aktiven Bereich gelungen, Angebote für verschiedene Altersklassen zu vereinen und dadurch ein Angebot für die ganze Familie zu schaffen“, beschreibt Markus Zedlitz, Mitarbeiter im Amt für Stadt Entwicklung und Umweltplanung die Neugestaltung. An den Randbereichen der Parkanlage sei eine Pflanzung in drei Bändern vorgesehen, die sich in der Höhe von 20 bis 120 Zentimeter staffelt. Zusätzlich würden größere Gehölze mit einer Wuchshöhe von bis zu acht Metern in der letzten Reihe an der Grundstücksgrenze gesetzt. So grenzten diese Stauden und Gehölze den Park zu den umliegenden Grundstücken ab und böten zudem noch Lärmschutz.

 

Beim südlichen Teil handelt es sich um den daran anschließenden Bereich bis zur Mozartstraße. Er ist als Erholungszone geplant. Hier ist vorgesehen, die Randbereiche wie im nördlichen Teil anzulegen. Aus zwei Wegen vom Eingang Mozartstraße kommend, wird ein zentraler Weg, erläuterte Ewert. Die Wege im südwestlichen und nordöstlichen Bereich der

 

Parkanlage werden zu „Hybridwegen“ erneuert, das heißt, dass diese in eine 1,50 Meter breite wassergebundene Wegedecke und einen ein Meter breiten Teil aus Betonplatten zur besseren Fortbewegung, etwa für Rollatoren, aufgeteilt wird. „Diese Hybridwege bedeuten daher auch zunehmende Barrierefreiheit“, erläutert Ewert. „Generell haben wir die Wegstrukturen unter neuen Aspekten betrachtet und zum Beispiel einen Weg, der sich bereits als Trampelpfad etabliert hat, neu mit in das Wegekonzept aufgenommen.“ Neuerung sei auch, dass einige Wege durchgängig beleuchtet werden sollen.

 

In der Mitte des südlichen Bereichs wird mit einer neuen Wiesensaat gearbeitet. „Nicht nur bei der Wiesensaat sondern generell wurde Pflanzen gewählt, die den klimatischen Bedingungen angepasst sind und nicht viel Wasser oder Pflege benötigen“, führt  Ewert aus.

 

Einleitung des Niederschlagwassers

Ein Sonderthema stellt die Retention, also das Auffangen des Niederschlagswassers aus der Beethoven- und der Mozartstraße in die Parkanlage dar. Es werden ca. 2.065 Quadratmeter Belagsfläche wie beispielsweise Straßen und Gehwege von der bisherigen Entwässerung in die Mischkanalisation getrennt und das Wasser dem Park zugeführt. Dazu wird der Weg von der Beethovenstraße in die Parkanlage abgesenkt und eine Kastenrinne auf der nördlichen Seite des städtischen Grundstückes untergebracht. Das Wasser wird in eine Mulde auf der Höhe des Volleyballfeldes geleitet. Im südlichen Bereich werden zur Einleitung des anfallenden Niederschlagswassers aus der Mozartstraße zwei kleinere Mulden untergebracht. Eine der Mulden befindet sich westlich des neu geplanten Weges beim Gebäude der Baugenossenschaft und eine weitere in unmittelbarer Nähe, östlich des genannten Weges, am südlichen Ende der Fläche des Erholungsparks.

 

 „Für die Neugestaltung des Tivoliparks ist dies bisher ein Randthema, jedoch in Zukunft wird das Thema Regenwasser immer wichtiger“, so Baaß. Es sei sinnvoll, jede Chance zu ergreifen, um Regenwasser zu nutzen, in diesem Fall auch das Regenwasser außerhalb des Parks. Baaß: „Das ist inklusiv gedacht.“ Angedacht sei, dass die Versorgung des Parks mit Wasser weitestgehend autark ist.

 

Zum Hintergrund:

Im Jahr 2016 wurde das Weststadtgebiet zwischen Innenstadt und Bürgerhaus, Friedrich-Fröbel-Schule und Tivolipark als Stadtumbaugebiet in das Bund-Länder-Programm „Stadtumbau in Hessen“ aufgenommen. Ziel des Programms ist es, die dortigen Stadt- und Siedlungsstrukturen den Herausforderungen des demografischen und wirtschaftsstrukturellen Wandels anzupassen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Klimaschutz.

 

Im Rahmen des Stadtumbaus „Viernheim Weststadt“ soll mit einem Teil der zur Verfügung stehenden Fördermittel auch der Tivolipark neu gestaltet werden.

 

Hierzu trafen sich im Vorfeld in mehreren Workshops betroffene und interessierte Bürger und erarbeiteten gemeinsam mit der „Lokalen Partnerschaft“ der Stadt Viernheim (LoPa) ein Konzept zur Gliederung des Parks. „Für die Planung der Umgestaltung wurden auch Schulen, Kindertagesstätten, kirchliche Vertreter, die Jugendförderung, Ehrenamtliche, Vereine und Verbände befragt und Bedarfe ermittelt“, so Ewert. Viele Ideen seien in die Umgestaltungsplanung eingeflossen. Folgende Punkte wurden vorgesehen: Aufwertung des bestehenden Spielplatzes mit einer Fläche von ca. 1.050 m², Anlage eines Sport- und Bewegungsbereiches, Anlage eines Begegnungs- und Kulturbereiches, Schaffung eines Erholungs- und Landschaftsbereiches, Überarbeitung der Eingänge und der Wegeführung,

 

 Erneuerung der Möblierung und Abstimmung der Bepflanzung auf die örtlichen Bedingungen, Verbesserung des Wasserhaushalts.

 

Im März 2019 wurden auf Grundlage des erstellten Konzepts die Planungsleistungen an ein externes Expertenbüro für Landschaftsarchitektur, die bhm Planungsgesellschaft mbH (BHMP) in Bruchsal, vergeben. Nach erfolgter Ausführungsplanung ist nun die Ausschreibung der Bauleistungen vorgesehen. Die Umsetzung soll im Anschluss erfolgen.

 

Förderprogramme:

Die Kostenschätzung für die gesamte Maßnahme „Neugestaltung Tivolipark“ liegt bei 1.041.000,00 € (brutto). Davon wird die Stadt Viernheim ca. 370.000 Euro tragen, also 35 Prozent. 65 Prozent werden durch Mittel des Landes Hessen und des Bundes gefördert, aufgegliedert in zwei unterschiedliche Förderprogramme. Zum einen werden die Planungskosten sowie der dazugehörige Anteil der Baukosten, die sich insgesamt auf 883.100 Euro belaufen, mit 60 Prozent aus Bundes- und Landesmitteln im Rahmen des Förderprogramms „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ (vor 2020 Förderprogramm Stadtumbau) gefördert. Aus diesem Topf werden beispielsweise neue Gehölze gefördert.

 

Die zweite Förderung betrifft den Bau der Mulden, Versickerungsrinnen und weiteren Maßnahmen zur Einleitung von anfallendem Niederschlagswasser. Hier werden die Baukosten in Höhe von 158.415 Euro ausschließlich vom Land Hessen durch das Programm „Klimaschutz“ mit 90 Prozent gefördert.