Bodenlose Heimspielleistung und 0:2-Heimniederlage gegen Braunschweig – Gellendes Pfeifkonzert auf dem Betzenberg – FCK-Verantwortliche stärken Trainer Lieberknecht den Rücken
Kaiserslautern (C.Wunderle) – Auf dem Betzenberg rumort es im Saisonfinale gehörig. Pfiffe bereits zur Halbzeit, ein gellendes Pfeifkonzert und Unmutsbekundungen nach der Partie, als sich nach der 0:2-Heimniederlage gegen Eintracht Braunschweig die Mannschaft und Trainer Lieberknecht der Westkurve stellten. Zuvor erlebten 44 353 im Freitagabendspiel die schlechteste Heimspielleistung der Gastgeber in dieser Spielzeit, dabei wurde eigentlich eine deutliche Reaktion nach dem desaströsen Auftreten in Kiel erwartet. Diese blieb, außer guten ersten 10 Minuten, völlig aus – im Gegenteil: Die Mannschaft präsentierte sich ideenlos, planlos und völlig verunsichert – ein Auftritt, der einen Tiefpunkt in der Saison darstellt und – wenn man den Maßstab der letzten Jahre ansetzen würde – die Arbeit des Trainers gehörig in Frage stellen würde. Schließlich wurden in vergleichbaren Situationen und zu ähnlichen Zeitpunkten in den letzten Jahren reihenweise FCK-Trainer von den Verantwortlichen entlassen. Dazu scheint es dieses Jahr nicht zu kommen, demonstrativ stärkte FCK-Sportdirektor Marcel Klos Trainer Lieberknecht auch nach der ernüchternden Leistung den Rücken. Der FCK-Trainer selbst hatte nach der Kiel-Pleite in ungewohnter Weise öffentlich nicht mit harscher Kritik an seinem Team gespart, genauso wenig wie Geschäftsführer Thomas Hengen. Spürbare Konsequenzen wurden angekündigt.
Die Aufstellung bot die ein oder andere Überraschung. Abgesprochen mit Stammtorwart Julian Krahl war der Wechsel im Tor – so kam das erst 18jährige Torwarttalent Enis Kamga zu seinem Profidebut – einem ganz bitteren. Schließlich verschuldete Kamga den 0:1-Rückstand, als er einen Torschuss von Tempelmann nicht festhalten konnte und ausgerechnet der vom FCK ausgeliehen Faride Alidou Nutznießer für Braunschweigs Führung war. Kapitän Marlon Ritter nahm zunächst auf der Bank Platz, dafür rückte Luca Sirch wieder in die Anfangsformation und nahm den Platz vom Mika Haas auf der linken Außenbahn ein, der erst gar nicht im Kader war. Mit Asta und Joly begannen zwei Spieler auf der rechten Seite, die sich zuletzt sonst immer ablösten. Rassmussen, einer von drei bisher noch nicht überzeugenden Winterneuzugängen, wurde derweil nach seinen schweren Patzern in Kiel wieder von Beginn an aufgestellt – und erhielt den Vorzug von FCK-Eigengewächs Leon Robinson.
Eine Aufstellung, die aber keineswegs den erhofften Effekt zeigen sollte. Ganze zwei Torchancen in 90 Minuten waren auf der Habenseite zu verbuchen – eine klägliche und indiskutable Bilanz in einem Heimspiel vor solch einer stattlichen Kulisse. Zwar hatten die Gastgeber ein Dutzend Eckbälle zu verzeichnen, diese verpufften allerdings genauso wie die planlos geschlagenen Flanken, die keinen Abnehmer fanden. Auch Stürmer Berisha stand völlig neben sich und agierte in seinen Aktionen mehr als unglücklich.
Das weitere Spielgeschehen ist schnell erzählt: In der 20. Minute bot sich nach einer Flanke von Sirch Joly die Chance zum Ausgleich, der Franzose konnte aber aus kurzer Distanz den Ball nicht an Braunschweigs Keeper Hoffmann vorbeibringen. Ein Rückpass von Kleinhansl brachte FCK-Torhüter Kamga in Bedrängnis, der das Zuspiel falsch verarbeitete, doch Gyamfi klärte gerade noch in höchster Not. In der 57. Minute ging es einmal schnell und schnörkellos. Bassette setzte Skyttä in Szene, der den Ball knapp am Gehäuse der abstiegsbedrohten Gäste vorbeispitzelte. Braunschweig derweil lauerte auf Konter. Einer dieser wenigen Entlastungsangriffe brachte dann in der 72.Minute die Entscheidung, als der eingewechselte Yardimci den Ball an Kamga platziert vorbeilegte. Die erwartete Schlussoffensive der Gastgeber blieb aus, zu verunsichert präsentierte sich das Heimteam. Sinnbildlich der aus Frust auf das Tribünendach weggeschlagene Ball eines sichtlich angefressenen Kapitäns Marlon Ritter, der Mitte der 2. Spielhälfte in die Partie kam.
Während die Niedersachen einen eminent wichtigen Dreier einfuhren, herrscht Frust, Wut und Ratlosigkeit auf dem Betzenberg. Die FCK-Fans zeigten nach dem gellenden Pfeifkonzert aber auch Gespür und bauten Nachwuchskeeper Kamga mit Sprechchören wieder auf.
Noch drei Spiele in dieser Saison verbleiben – der FCK ist auf dem besten Weg, nach einer zwar sorgenfreien, aber nicht besseren Saison als das Jahr zuvor, diese mit einem negativen Eindruck zu beenden. Für das ausgegebene Saisonziel, sich tabellenmäßig zu verbessern, müsste der FCK im kommenden Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden (Samstag, 02.Mai, 13 Uhr) mit dem Punkten wieder anfangen, um Hertha BSC Berlin noch vom 6. Tabellenplatz zu verdrängen. Eines ist klar: Der Druck für das Team und auch für Trainer Lieberknecht wird nicht kleiner. Ob Trainer und Team noch an einem Strang ziehen, werden die letzten Partien der Saison zeigen.





