Wie der Rhein die Mannheimer Haushalte heizen hilft von Wolfram Theymann

Viernheim (Wolfram Theymann) – Dass man Häuser mit einer Wärmepumpe betreiben kann, hat sich inzwischen herumgesprochen. Die MVV in Mannheim zeigt, dass mit einer großen Wärmepumpe auch viele Häuser gleichzeitig beheizt werden können. Ähnliches haben dem Vernehmen ja auch die Viernheimer Stadtwerke vor, wenn sie überlegen, wie sie ihr kleines Fernwärmenetz in Viernheim in Zukunft fossilfrei betreiben wollen.
Eine solche Wärmepumpe in „sehr groß“ haben zwei Gruppen Viernheimer in den letzten beiden Wochen besichtigt. Die MVV betreibt in Mannheim eine solche Großwärmepumpe, um das Mannheimer Fernwärmenetz heute und vor allem in Zukunft mit Wärme zu versorgen.
Eine Wärmepumpe holt Wärme aus der Umgebung, zum Beispiel aus der Luft, aus der Erde oder aus Wasser, und bringt sie ins Haus. Dabei kann sie Wärme auch aus einer kälteren Umgebung holen, wie zum Beispiel wenn es draußen unter null Grad Temperatur hat und sie auf die notwendigen Temperaturen für die Heizung bringen. Also so wie ein Kühlschrank, der ja auch „Wärme“ aus dem Tiefkühlfach zieht und diese nach außen abgibt.
Die Großwärmepumpe in Mannheim zieht ihre Wärme aus dem Flusswasser des Rheins. Der Vorteil ist hierbei, dass der Rhein auch im Winter nur sehr selten kälter als zwei bis sechs Grad hat. Damit ist der Rhein ein guter Wärmelieferant für eine Wärmepumpe, vor allem im Vergleich zur Außenluft, die ja auch unter die Nullgradgrenze fallen kann.
Beeindruckend waren die Dimensionen dieser Wärmepumpe, die 20 Megawatt an Wärme liefern kann. Für den Betrieb braucht sie jede Menge Strom und zwar rund ein Drittel der Energie, die am Ende herauskommt. Der riesige Motor braucht rund 7 Megawatt Strom, wenn die Pumpe läuft. Die Zahlen verdeutlichen, wie effizient so eine Wärmepumpe arbeiten kann: aus einer Kilowattstunde Strom entstehen drei Kilowattstunden Wärme.
Alles in Allem haben die Besichtigungen und Ausführungen der Guides des Großkraftwerks, auf deren Gelände die Flusswärmepumpe gebaut wurde, Eindruck hinterlassen. Aber auch die Hürden zum Bau einer solchen Heizung sind groß. Die Stromversorgung mit großen Strommengen muss sichergestellt sein, die Strompreise spielen für den Betrieb eine Rolle, idealerweise hat man ein Wärmemedium, dem man die Wärme entziehen kann und vieles mehr. In Viernheim werden die Rahmenbedingungen allein schon aufgrund des Fehlens eines Flusses oder einer anderen Wärmequelle weitaus schwieriger werden.
Die insgesamt rund 40 Teilnehmenden freuten sich über den Einblick in diese Technologie und haben die Guides mit ihren zahlreichen Fragen an der einen oder anderen Stelle durchaus auch herausgefordert. Einig war man sich schnell bei dem Wunsch auch den modernen Block 9 des Kohlekraftwerks gerne einmal anschauen zu können.
Die Besichtigungen haben Bürger Initiativ hat das Bürgernetzwerk Viernheim gemeinsam organisiert. Bürger Initiativ befasst sich ja schon seit einiger Zeit mit der Energiewende und insbesondere der Energiewende in Bürgerhand. Das Bürgernetzwerk, als neue politische Kraft im Stadtparlament, hat die wichtige Energiewende ebenfalls im Programm. Beide wollen solche und weitere Besichtigungen fortführen, geben sie doch einen Einblick in das was andernorts möglich ist. Dass das auch auf das Interesse der Bürgerschaft stößt, zeigt die große Nachfrage. „Wir haben ursprünglich mit 20 Plätzen für die Besichtigung geplant und diese waren innerhalb weniger Stunden vergeben. Die Warteliste von rund noch einmal 20 Leuten wollten wir aber nicht warten lassen und haben einfach noch eine zweite Tour organisiert“ – so Wolfram Theymann.
In Mannheim gibt es in Bezug auf die Energiewende noch einiges zu sehen und auch in der Region finden sich viele positive Beispiele. Weinheim baut beispielsweise aktiv sein Fernwärmenetz aus, mancherorts sind Bürgerenergiegenossenschaften aktiv, betreiben größere PV-Anlagen oder und bauen in Stadtteilen kleinere Nahwärmenetze in eigener Verantwortung. Vielleicht ist es kein Fehler, wenn Teile der Infrastruktur in Bürgerhand sind? Die Energiewende gibt gute Möglichkeiten, dass Bürger sich nicht nur geopolitisch in Bezug auf den Energiebezug unabhängig machen, sondern auch von den Unternehmen und Konzernen gleich mit – führt Theymann aus und sagt: „Wir bleiben dran!“



