Eine Hand voll Ruhe

Foto: Pfarrerin Dr. Irene Dannemann,

„Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.“ (Buch Prediger Salomo/Kohelet Kapitel 4, Vers 6).

So lautet der Monatsspruch für diesen Monat. Und ich finde, er passt gut in den September: Der Sommer verabschiedet sich langsam. Die Sommerferien in den Schulen sind vorüber. Straßen und Busse sind wieder voller, die Kalender füllen sich mit dienstlichen und privaten Terminen. Das Leben nimmt wieder Fahrt auf, für manche in einem herausfordernd schnellen Tempo.

Nachrichten melden eine Krise nach der anderen: Militärische Drohgebärden sorgen für Unruhe. Schwierige Wahlausgänge und eigene Sorgen quälen. Mitten in diese Unrast hinein sagt Kohelet leise: „Besser eine Hand voll mit Ruhe“. Eine Hand voll. Nicht mehr. Und doch so viel.

Dabei sammeln wir Menschen doch so gerne ganz Vieles: Termine, Erwartungen, Sorgen, Zukunftspläne. Der Prediger Salomo nennt das „Haschen nach Wind“. Wer versucht, den Wind mit den Fäusten einzufangen, steht mit leeren Händen da und hält nur sich selbst fest.

Der Prediger Salomo erinnert uns an die Realität des Lebens: Manches im Leben ist „Haschen nach Wind“: Nicht alle Sorgen lassen sich lösen. Freundschaften und Partnerschaften gehen auseinander. Wir mühen uns ab und doch gelingt nicht, was wir uns vorgenommen haben. Pläne werden durchkreuzt und müssen aufgegeben werden. Schon die Bibel weiß: Das Leben ist zerbrechlich.

Was möglich bleibt, ist eine Hand voller Ruhe.

Einen Moment der Ruhe kann ich vielleicht bei einem Spaziergang im Wald erleben, bei einer wohltuenden Musik, einem genüsslich getrunkenen Café oder beim Gang durch die grünen Weinberge. Wenn ich unterwegs stehenbleibe oder beim Sitzen ohne Ablenkung ins Grüne schaue, dann nehme ich Garten und Felder bewusst wahr und kann mich daran freuen. Zudem denke ich an das Erntedankfest, das vor uns liegt. Es erinnert daran: Nicht alles ist machbar. Nicht alles entsteht dadurch, dass ich mich noch mehr anstrenge. Manches wächst. Anderes wird mir geschenkt. Oder ist einfach da: ein reifer Apfel, ein freundliches Wort, gemeinsames Lachen, ein Augenblick Zufriedenheit. Selten genug für zwei volle Hände. Aber womöglich genug für eine Hand voll.

Eine Hand voll Ruhe ist schon was. Diese Handvoll kann genug sein. Genug, um aufzuatmen, durchzuschnaufen und weiter zu leben. Genug auch, um Gottes Nähe zu spüren.

Einen frischen Herbstanfang wünscht Ihnen

Pfarrerin Dr. Irene Dannemann, Evangelische Kirchengemeinde Viernheim