Kunstverein Viernheim: „ICH HAB’ DICH GESEHEN“ – Kunstprojekt bringt Begegnung in die Albert-Schweitzer-Schule


Viernheim (C.Bunte) – Kurz vor den Sommerferien wurde die Albert-Schweitzer-Schule in Viernheim zum Atelier: Auf Einladung des Kunstvereins Viernheim arbeitete die Künstlerin Ana Laibach vom 16. bis 18. Juni 2026 intensiv mit Schülerinnen und Schülern an einem besonderen Kunstprojekt. Unter dem Titel „ICH HAB’ DICH GESEHEN“ stand dabei nicht nur das Zeichnen im Mittelpunkt, sondern vor allem die unmittelbare Begegnung zwischen Menschen.
Initiiert wurde das Projekt von Fritz Stier und Claus Bunte vom Kunstverein Viernheim in enger Abstimmung mit Schulleiter Holger Hofmann, der eine weitere Zusammenarbeit zwischen Schule und Kunstverein begrüßen und unterstützten würde. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, Kunst nicht nur als Unterrichtsfach, sondern als lebendige Erfahrung im Schulalltag zu verankern.
Ausgangspunkt des Projekts war ein einfaches, aber grundlegendes menschliches Bedürfnis: gesehen zu werden. „Kurz anhalten und dem Gegenüber in die Augen schauen“ – dieser Impuls wurde unter der Anleitung von Ana Laibach künstlerisch erforscht. Papier und Stift wurden zu ständigen Begleitern der Schülerinnen und Schüler, die in eine doppelte Rolle schlüpften: Sie waren zugleich Zeichner und Modell. Ohne den Blick vom Gegenüber abzuwenden, entstanden Portraits, die nicht durch Kontrolle, sondern durch Aufmerksamkeit und Beziehung geprägt sind.
So entwickelten sich Zeichnungen aus alltäglichen Begegnungen heraus. Die bewusste Erlaubnis, sich gegenseitig zu betrachten, zu zeichnen und die Werke mit den Vornamen der Portraitierten zu versehen, markierte den Beginn eines intensiven künstlerischen Prozesses. Die zentrale Frage „Was macht uns als Menschen aus?“ wurde dabei mit Linien, Farben und individuellen Bildtiteln erforscht.
Das Projekt steht beispielhaft für die kontinuierliche Arbeit des Kunstvereins Viernheim im Bereich der kulturellen Bildung. Seit vielen Jahren engagiert sich der Verein dafür, Kinder und Jugendliche frühzeitig an zeitgenössische Kunst heranzuführen und ihnen Räume für eigene kreative Erfahrungen zu eröffnen. Kunst soll dabei nicht als abstrakt oder unzugänglich erscheinen, sondern als etwas, das unmittelbar mit dem eigenen Leben zu tun hat.
Der Kunstverein hat hierzu ein Konzept entwickelt, das Kunst und Pädagogik eng miteinander verbindet. Der Kunstverein Viernheim ist längst zu einem außerschulischen Lernort geworden: Schülerinnen und Schüler beteiligen sich aktiv an Ausstellungen, führen Gespräche mit Künstlerinnen und Künstler, entwickeln eigene Vermittlungsformate und organisieren Führungen für jüngere Mitschüler. Sie wirken bei Auf- und Abbau mit, unterstützen Vernissagen, gestalten Öffentlichkeitsarbeit und dokumentieren Projekte. Für ihr Engagement erhalten sie Zertifikate, die auch zur frühen Berufsorientierung beitragen.
Dabei geht es immer wieder um grundlegende Fragen: Warum machen Menschen Kunst? Was kann Kunst leisten? Und welchen persönlichen Zugang finde ich dazu? Antworten darauf entstehen nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch in direkter Begegnung mit Kunstschaffenden – wie im aktuellen Projekt mit Ana Laibach.
Eine Erfahrung, die auch Fritz Stier, Künstler und Mitinitiator, aus seiner eigenen Arbeit kennt: Kunst hinterfragt Gewohntes, provoziert neue Sichtweisen und eröffnet Freiräume im Denken. Gerade für junge Menschen kann sie Orientierung bieten – in einer Zeit, in der Werte, Vorbilder und gesellschaftliche Entwicklungen zunehmend komplex erscheinen.
Mit Projekten wie „ICH HAB’ DICH GESEHEN“ zeigt der Kunstverein Viernheim, wie zeitgenössische Kunst lebendig vermittelt werden kann: als gemeinsamer Prozess, als Dialog – und als Einladung, sich selbst und andere neu wahrzunehmen.
Zur Künstlerin
Ana Laibach wurde 1966 in Braunschweig geboren und studierte Freie Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, wo sie zur Meisterschülerin von Max Kaminski ernannt wurde. Sie war mehrere Jahre als Gastkünstlerin an der Staatlichen Majolika Karlsruhe tätig und arbeitete von 2018 bis 2020 als künstlerische Mitarbeiterin an der Universität Koblenz-Landau. Seit 2020 ist sie künstlerische Leiterin der Sommerakademie Marburg. Zahlreiche Stipendien, Preise sowie Ausstellungen im In- und Ausland begleiten ihren künstlerischen Werdegang.


