Jupp Darchinger – Fotografien aus der Bonner Republik – SPD Viernheim besuchte die Sonderausstellung in Heidelberg

Viernheim (SPD) – Am 11. Oktober 2026 besuchte eine achtköpfige Gruppe der Viernheimer SPD die Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in der Heidelberger Altstadt. Anlass war die Sonderausstellung „Jupp Darchinger – Das Auge der Republik”. Josef Heinrich „Jupp“ Darchinger (1925–2013) war ein Fotojournalist und Chronist seiner Zeit. Wie kein anderer begleitete und dokumentierte er die politischen Akteur:innen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Bonner Republik.
Der Heidelberger Student Jannik Gaul führte die Viernheimer SPD-Mitglieder durch die verschiedenen Abteilungen der Ausstellung und ließ dabei eine außergewöhnliche Fotografenkarriere lebendig werden, die eng mit der Entwicklung der Medienlandschaft der Bonner Republik verwoben ist. 1943 wurde der damals 17-jährige Darchinger zur Wehrmacht einberufen. Nach mehreren schweren Verwundungen geriet er 1945 in Kriegsgefangenschaft, aus der er Ende 1947 floh. Anschließend kehrte er in seinen Heimatort Bonn-Endenich zurück. Dort ließ sich der gelernte Landwirt zum Fotolaboranten umschulen und eignete sich autodidaktisch Kenntnisse als Fotograf an. 1948 heiratete er seine Arbeitskollegin Ruth, geborene Hofedank, die schon bald auch beruflich eine unverzichtbare Partnerin werden sollte.
Bereits ein Jahr später wurde Bonn, Darchingers Heimatstadt, zum provisorischen Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Dies sollte für das Ehepaar zum Glücksfall werden und den Ausgangspunkt für die Fotografenkarriere und die „Marke“ Jupp Darchinger bilden, denn beim Entstehen der Bonner Republik existierte noch keine Medienlandschaft. Die neu gegründete SPD-Parteizentrale vertraute ihm erste fotografische Aufträge an und bald kam er mit der Bundespolitik in Berührung. Im Laufe der Jahre baute er zu verschiedenen Spitzenpolitikern wie Willy Brandt, Helmut Schmidt oder Richard von Weizsäcker eine vertrauensvolle Beziehung auf, die ihm auch Aufnahmen von privaten Momenten ermöglichte.
Darchinger richtete seinen Fokus aber auch auf die „kleinen Leute”, die ebenso zum Politikbetrieb gehörten wie die Reinigungsfrau, die nach einer Sitzung des Bundestages die zerknüllten Unterlagen der Abgeordneten aufkehrte – ein Teil der politischen Kultur von damals. Ein weiterer Teil der Ausstellung befasste sich mit Fotos zu zeitgeschichtlichen Themen wie betrieblicher Mitbestimmung, Studentenprotesten, Diskussionen um den Abtreibungsparagrafen 218 oder der Nutzung von Kernenergie. Das Gesamtwerk Jupp Darchingers ermöglicht einen detaillierten Einblick in die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen jener Zeit. Darchinger hinterließ ein riesiges Archiv mit etwa acht Millionen Fotos. Dies war nur möglich, weil die gesamte Familie mithalf. Während zwei der Söhne ebenfalls als Fotografen tätig waren, führte vor allem Ruth Darchinger die umfangreiche Hintergrundarbeit, zu der nicht nur die Terminkoordination und das familieneigene Labor, sondern vor allem das umfangreiche Archiv gehörten.
Nicht nur die Rollenverteilung des Ehepaares, sondern auch einige der Themen, die in den Fotografien Darchingers aufgegriffen wurden, sorgten in der Viernheimer SPD-Gruppe für angeregte Diskussionen. Diese wurden nach dem Besuch der Ausstellung im benachbarten Café Burkhardt in der Heidelberger Altstadt noch eine Weile weitergeführt. Fazit: Es war ein lohnender Ausflug, der den Teilnehmenden auf ungewöhnliche, aber angenehme Weise den Austausch über kulturelle, zeitgeschichtliche und politische Themen ermöglichte.



