Brundtlandbüro legt Energiebericht vor – Kommunales Energiemanagement zeigt Wirkung

Philipp Granzow (rechts) und Reinhard Wirths (links) vom Brundtlandbüro sowie Mattis Rockrohr, Abteilungsleiter Gas, Wasser, Wärme bei den Stadtwerken, vor der neuen Wärmepumpe in der SBS 55+. In enger Abstimmung und Zusammenarbeit geplant und realisiert – die Umstellung verbessert die CO₂-Bilanz und halbiert die Energiekosten.
Foto: Stadt Viernheim

Viernheim (Stadt Viernheim) – Seit der Einführung des kommunalen Energiemanagements vor 25 Jahren wird der Energieverbrauch der städtischen Liegenschaften auf einem historisch niedrigem Niveau gehalten. Gleichzeitig wurden im Jahr 2024 rund 1,93 Millionen Euro für Strom, Wärme und Wasser in städtischen Gebäuden und Anlagen ausgegeben – so viel wie nie zuvor. Der neue Energiebericht 2025, den das Brundtlandbüro jetzt vorlegt, zeigt: Dank eines wirkungsvollen Energiemanagements spart die Stadt derzeit rund 1,49 Millionen Euro pro Jahr und entlastet damit sowohl den Haushalt als auch das Klima.

 

„Wer seine Verbräuche kennt, kann gezielt gegensteuern“, bringt Bürgermeister Matthias Baaß den Nutzen des kommunalen Energiemanagements auf den Punkt. „Dank unseres Energiemanagements warten wir nicht auf hohe Rechnungen, sondern drehen frühzeitig an den richtigen Stellschrauben.“

 

Energieverbrauch halbiert – Emissionen deutlich gesenkt

Seit Einführung des kommunalen Energiemanagements im Jahr 1999 hat Viernheim den Energieverbrauch in seinen Gebäuden und Anlagen um rund 49 Prozent reduziert – von damals 12,8 auf heute 6,5 Millionen Kilowattstunden. Die Kohlenstoffdioxid-Emissionen konnten im gleichen Zeitraum sogar um 66 Prozent gesenkt werden. Möglich wird das durch konsequente Verbrauchskontrolle, technische Optimierung und gezielte Sanierungsmaßnahmen.

 

Besonders bemerkenswert: Durch diese systematische Herangehensweise lassen sich allein durch Betriebsoptimierungen jährlich über 100.000 Euro an Energiekosten einsparen – ganz ohne zusätzliche Investitionen. „Das schafft nicht nur Spielräume für andere kommunale Pflichtaufgaben, sondern minimiert auch Risiken“, betont Baaß. „Denn falsch laufende Heizungen, unnötig betriebene Anlagen oder aus dem Ruder laufende Verbräuche erkennen

 

wir heute frühzeitig – bevor sie teuer werden“, weiß Reinhard Wirths, städtischer Energiebeauftragter. Insgesamt ergibt sich durch die Arbeit des kommunalen Energiemanagements mit Betriebsoptimierungen und technischen Verbesserungen sowie Investitionen zur energetischen Verbesserung der Gebäude eine spürbare Entlastung des städtischen Haushalts: Dieser reduzierte Energiebezug senkt die laufenden Kosten aktuell um rund 1,49 Millionen Euro pro Jahr.

 

Energieeffizienz als Gemeinschaftsaufgabe

Der Energiebericht 2025 bietet einen detaillierten Überblick über die Entwicklung der Energie- und Wasserkosten, der Strom- und Wärmeverbräuche, der spezifischen Energiepreise sowie der installierten Photovoltaikleistung. Er analysiert außerdem, wie sich die Verbrauchs- und Kostenstrukturen auf die verschiedenen Gebäudegruppen verteilen, wo städtische Gebäude bereits besonders effizient arbeiten und welche Maßnahmen in den vergangenen Jahren erfolgreich umgesetzt wurden.

 

Neben der Betriebsoptimierung ist das Energiemanagement auch bei technischen und baulichen Maßnahmen eng eingebunden. In enger Zusammenarbeit mit der Stadtwerke Viernheim GmbH und dem städtischen Bauverwaltungs- und Liegenschaftsamt begleitet es energetische Sanierungen, unterstützt bei der technischen Konzeption und liefert die nötigen Berechnungen zur kostenoptimierten Auslegung. „So lassen sich auch Fördermittel gezielt erschließen – bei Heizungsmodernisierungen etwa oft im fünfstelligen Bereich,“ weiß Brundtlandbeauftragter Philipp Granzow. Jüngstes Beispiel: Für die geplante Sanierung der Waldsporthalle konnten über 400.000 Euro an Fördermitteln gesichert werden.

 

Technische Maßnahmen zeigen Wirkung

Trotz aller Effizienzgewinne sind die Gesamtkosten für Energie und Wasser seit dem Jahr 2019 deutlich gestiegen. Ein Plus von rund 476.000 Euro, was einer Kostensteigerung von 33 Prozent entspricht. Diese Entwicklung ist vor allem auf die stark gestiegenen Energiepreise zurückzuführen. Während sich der durchschnittliche Wärmepreis mehr als verdoppelt hat, stiegen auch die Strompreise spürbar. Ohne die nachgewiesenen Verbrauchssenkungen wären die Kosten noch deutlich höher ausgefallen.

 

Beispiele aus der Praxis unterstreichen die Wirkung des Energiemanagements. So konnte kürzlich in der Selbstverwalteten-Begegnungs-Stätte 55+ durch die Umstellung auf eine moderne Wärmepumpenkaskade nicht nur die Kohlenstoffdioxid-Bilanz verbessert, sondern die Energiekosten sogar halbiert werden. Der Ausbau der Photovoltaik auf städtischen Dächern sowie die konsequente Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik – mit einer Verbrauchsreduktion von rund 60 Prozent in den letzten fünf Jahren – zeigt zusätzlich, wie sich technische Innovation und wirtschaftliches Denken sinnvoll miteinander verbinden lassen. Insgesamt belegen die Verbrauchsdaten, dass die meisten städtischen Gebäude bereits heute einen effizienten Betrieb bei Strom und Wärme erreichen.

 

„Das Energiemanagement liefert zudem verlässliche Entscheidungsgrundlagen – ob bei Sanierungen, Neubauten oder Förderanträgen. Es hilft uns, strukturiert vorzugehen, Fehlplanungen zu vermeiden und den Wert unseres kommunalen Eigentums langfristig zu sichern“, sagt Reinhard Wirths. „Dabei legen wir viel Wert auf wirtschaftlich tragfähige und technisch durchdachte Lösungen. Dafür braucht es Daten, Erfahrung und enge Zusammenarbeit.“

 

 

Der Energiebericht 2025 wirft auch einen Blick nach vorn: Mit dem Ausbau städtischer Einrichtungen wie neuer Kitas und Erweiterungsbauten wächst der Gebäudebestand kontinuierlich und mit ihm der Energiebedarf. Umso wichtiger bleibt ein vorausschauendes Energiemanagement, das bereits heute die Grundlagen dafür legt, auch zukünftige Herausforderungen effizient, klimaschonend und kostenbewusst zu meistern.

 

Interessierte finden den Energiebericht 2025 unter www.viernheim.de/energiebericht2025