SeniorenBüro: Gemeinsam für eine gute Versorgung im Alter
Achter Runder Tisch unterstreicht die Bedeutung eines starken Netzwerks – Versorgung älterer Menschen mit Migrationsgeschichte im Mittelpunkt

Foto: Stadt Viernheim
Viernheim (Stadt Viernheim) – Wie können ältere Menschen in Viernheim auch künftig gut versorgt werden? Welche Unterstützung benötigen sie und wie lässt sich diese gemeinsam organisieren? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Stadt Viernheim und zahlreiche Einrichtungen, Dienste und Organisationen seit vielen Jahren. Beim achten „Runden Tisch – im Alter gut versorgt in Viernheim“ Anfang Oktober kamen auf Einladung von Bürgermeister Matthias Baaß erneut Fachleute und Engagierte aus unterschiedlichen Bereichen im Ratssaal des Alten Rathauses zusammen. Im Mittelpunkt stand diesmal die Versorgung älterer Menschen mit Migrationsgeschichte. Gleichzeitig zeigte das Treffen, wie wichtig eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten ist, um die Lebensqualität älterer Menschen in Viernheim langfristig zu sichern.
„Unser gemeinsames Ziel ist, dass Menschen in Viernheim auch dann gut leben können, wenn sie im Alter auf Unterstützung oder Pflege angewiesen sind. Dafür leistet jede Einrichtung ihren eigenen wichtigen Beitrag. Entscheidend ist aber, dass wir unsere Erfahrungen und Kompetenzen zusammenbringen, Entwicklungen frühzeitig erkennen und gemeinsam Lösungen finden. Genau dafür gibt es den Runden Tisch“, betont Bürgermeister Matthias Baaß.
Wie wichtig eine vorausschauende Seniorenarbeit ist, zeigt auch ein Blick auf die Bevölkerungsstruktur: Von den rund 35.000 Einwohnerinnen und Einwohnern Viernheims sind inzwischen 31,2 Prozent über 60 Jahre alt. Damit gehört nahezu jeder Dritte dieser Altersgruppe an. Die damit verbundenen Herausforderungen für Pflege, Betreuung und Versorgung machen eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten umso wichtiger.
Gemeinsam Herausforderungen erkennen und Lösungen entwickeln
Der Grundstein für diese Zusammenarbeit wurde bereits 2019 gelegt. Damals entstand im „Viernheimer Netzwerk gut versorgt im Alter“ der Wunsch nach einem regelmäßigen Austausch aller, die an der Versorgung älterer Menschen beteiligt sind. Noch im selben Jahr fand der erste Runde Tisch statt.
2020 beauftragte der Sozial- und Kulturausschuss die Stadtverwaltung, eine Gesamtstrategie für das Älterwerden in Viernheim zu entwickeln. Daraus entstand der vom städtischen SeniorenBüro gesteuerte Prozess „Älter werden in Viernheim – Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten“, in dem der Runde Tisch eine zentrale Rolle einnimmt.
Einmal im Jahr kommen unter anderem Vertreterinnen und Vertreter von Pflegediensten, sozialen Einrichtungen, Wohlfahrtsverbänden, Kirchen, der Ärzteschaft, Apotheken und weiteren Institutionen zusammen. Sie tauschen Erfahrungen aus, benennen Herausforderungen und suchen nach Möglichkeiten, die Versorgung vor Ort zu verbessern. Zugleich können wichtige Anliegen unmittelbar an den Bürgermeister und den Ersten Stadtrat herangetragen werden.
Dass dieser Austausch Wirkung zeigt, belegen konkrete Beispiele aus den vergangenen Jahren. So wurden 2020 Sonderparkausweise für ambulante Dienste eingeführt, um deren Arbeit zu erleichtern. 2023 beschäftigte sich das Netzwerk intensiv mit der hausärztlichen Versorgung und der Situation der Apotheken. Ein weiteres Ergebnis ist die Kampagne „halloALTER“: Die Idee dazu entstand beim Runden Tisch 2024, bevor eine Arbeitsgruppe die Umsetzung übernahm und die Kampagne 2025 an den Start ging.
Ältere Menschen mit Migrationsgeschichte im Mittelpunkt
Beim Runden Tisch 2025 hatten Teilnehmende angeregt, die Versorgung älterer Menschen mit Migrationsgeschichte genauer zu betrachten. Dieser Wunsch wurde nun beim achten Treffen aufgegriffen.
Um unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven einzubeziehen, wurde bereits die Vorbereitung erstmals auf einen größeren Kreis ausgeweitet. Neben dem SeniorenBüro beteiligten sich die Johanniter-Unfall-Hilfe, das Forum der Senioren, der Verein Lernmobil Viernheim e.V. sowie Vertreterinnen der IGMG Moschee-Gemeinde Viernheim. Mit Saliha Baktimur und Gülsah Demirel brachten sich dabei zwei Gesprächspartnerinnen ein, die wertvolle Einblicke in kulturelle und religiöse Hintergründe sowie die Bedürfnisse älterer Menschen geben konnten. Den fachlichen Einstieg gestaltete Sümeyra Öztürk von der Demenz Support Stuttgart gGmbH mit einem Impulsvortrag zur Situation älterer Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland.
Anschließend vertieften die Teilnehmenden in Arbeitsgruppen verschiedene Fragestellungen: Welche Herausforderungen können kulturelle Unterschiede im Pflegealltag mit sich bringen? Was ist im Umgang mit Menschen mit Migrationsgeschichte und Demenz zu beachten? Wie lassen sich pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen besser erreichen und unterstützen?
Dabei kristallisierte sich eine zentrale Erkenntnis heraus: Die grundlegenden Bedürfnisse älterer Menschen unterscheiden sich unabhängig von ihrer Herkunft kaum. Sie alle möchten mit ihrer persönlichen Lebensgeschichte wahrgenommen werden, möglichst selbstbestimmt leben und bei Bedarf gut versorgt sein.
Unterschiede zeigen sich allerdings mitunter beim Zugang zu Unterstützungsangeboten. In manchen Familien wird die Pflege älterer Angehöriger traditionell als familiäre Verpflichtung verstanden. Hilfe von außen anzunehmen, kann deshalb mit Vorbehalten verbunden sein. Umso wichtiger ist es, Vertrauen aufzubauen, persönliche Kontakte zu schaffen und insbesondere pflegende Angehörige zu erreichen und zu stärken.
Vorhandene Angebote besser nutzen und vernetzen
Der Austausch machte zugleich deutlich, dass es in Viernheim bereits zahlreiche Hilfs- und Unterstützungsangebote gibt. Häufig kommt es deshalb weniger darauf an, völlig neue Strukturen zu schaffen, als vielmehr bestehende Möglichkeiten bekannter zu machen und besser miteinander zu verknüpfen.
Ein Ansatz ist beispielsweise die stärkere Einbindung der Integrationslotsinnen des Vereins Lernmobil, die auch bei Verständigungsproblemen im Kontakt mit Arztpraxen unterstützen könnten. Ebenso bieten bereits etablierte Begegnungsformate wie das Internationale Frauencafé oder der Tag der offenen Moschee gute Gelegenheiten, miteinander ins Gespräch zu kommen, Vertrauen aufzubauen und über vorhandene Hilfsangebote zu informieren.
Erste konkrete Ergebnisse hat das diesjährige Treffen bereits hervorgebracht: Zwischen dem SeniorenBüro und der IGMG Moschee-Gemeinde Viernheim ist eine Zusammenarbeit entstanden. Auch der Kontakt zum Verein Lernmobil soll weiter intensiviert werden.
Wie wertvoll der persönliche Austausch ist, spiegelte sich auch in den Rückmeldungen der Teilnehmenden wider. Besonders hervorgehoben wurden die Vielfalt der beteiligten Akteure und die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen. Diese bilden nun die Grundlage, um die in den Arbeitsgruppen entwickelten Ansätze gemeinsam weiterzuverfolgen.
Gemeinsam mehr erreichen
Für Bürgermeister Matthias Baaß bestätigt der achte Runde Tisch den eingeschlagenen Weg: „In Viernheim verfügen wir über ein großes Netzwerk engagierter Menschen und Einrichtungen, die sich täglich für das Wohl älterer Bürgerinnen und Bürger einsetzen. Wenn wir an einem Strang ziehen, können wir dieses Potenzial noch besser nutzen. Der Runde Tisch bringt die richtigen Menschen zusammen, stärkt die Zusammenarbeit und hilft uns, die Versorgung in Viernheim gemeinsam weiterzuentwickeln.“
Gerade angesichts einer älter werdenden Bevölkerung wird diese Zusammenarbeit künftig weiter an Bedeutung gewinnen. Der Runde Tisch bleibt deshalb ein wichtiger Bestandteil der städtischen Bemühungen, Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam mit den beteiligten Einrichtungen gute Rahmenbedingungen für ein möglichst selbstbestimmtes Leben im Alter zu schaffen.
Bildtexte:
Bild 1:
Bild 2: Sümeyra Öztürk von der Demenz Support Stuttgart gGmbH gab mit ihrem Impulsvortrag zur Situation älterer Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland wichtige Denkanstöße für den anschließenden Austausch.
Bild 3: Wie können Menschen mit Pflegebedarf und Migrationsgeschichte sowie ihre Angehörigen besser erreicht und unterstützt werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Teilnehmenden einer der Arbeitsgruppen beim achten Runden Tisch.
Bild 4: Gemeinsam Herausforderungen erkennen und Lösungen entwickeln: Eine Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der gesundheitlichen Versorgung älterer Menschen mit Migrationsgeschichte.




