Unsere Kinder kriegt ihr nicht!

 

Foto: Markus Kaltschmidt

Ich höre und lese in letzter Zeit immer mal wieder: „Warum redet ihr beim BSW über Frieden? Es ist doch Kreistagswahl.“ Meine Antwort darauf ist einfach: Gerade deshalb.
Als Vater bin ich vom Thema Krieg und Frieden auch ganz persönlich betroffen. Ich habe Krisen erlebt und so manche politische Mode kommen und gehen sehen. Ich komme aus der alten Linken. Aus einer Zeit, in der Frieden, soziale Sicherheit und Bildung keine Schlagworte für schöne Sonntagsreden waren, sondern Selbstverständlichkeiten. Dinge, die ganz klar im Vordergrund standen. Deshalb engagiere ich mich heute beim BSW.
Was wir zurzeit erleben, ist kein abstraktes Weltgeschehen. Wir stehen eventuell vor einer Zeit, in der wir uns an Krieg gewöhnen sollen und müssen. Die Auswirkungen kommen längst bei uns an. Nicht nur an der Zapfsäule: In den Kommunen, in den Schulen, in den Familien. Wenn Milliarden für Waffen locker gemacht werden, fehlt dieses Geld hier: Für sanierte Schulgebäude, für Schulsozialarbeit und Jugendhilfe, für Kitas und für bezahlbaren Wohnraum. Kurz gesagt: Für ein Land, in dem jeder die Chance hat, etwas aus seinem Leben zu machen. Das ist eine einfache Rechnung.
Ich habe etwas dagegen, wenn unseren Kindern wieder erklärt wird, Aufrüstung sei alternativlos und Kriegstüchtigkeit eine Tugend. Deshalb stehe ich voll hinter diesem Satz: „Unsere Kinder kriegt ihr nicht!“ Nicht für eure geopolitischen Machtspiele, nicht für eure moralischen Selbstinszenierungen. Stattdessen muss etwas dafür getan werden, dass Kommunen handlungsfähig bleiben, dass bei Bildung nicht gespart wird und soziale Spannungen nicht weiter zunehmen.
Wer behauptet, Frieden habe auf Kreisebene nichts zu suchen, der blendet aus, dass genau hier die Folgen der großen Politik landen. Das BSW spricht aus, was viele denken, sich aber kaum noch zu sagen trauen: Dass soziale Sicherheit, gute Bildung und Frieden zusammengehören und dass „unsere Demokratie“ weder am Hindukusch noch im Donbass verteidigt wird. Dass man nicht progressiv ist, wenn man Kriege schönredet, und auch kein Patriot, wenn man darauf hofft, dass andere die „Drecksarbeit“ für einen machen. Das BSW weist jene, die sich allzu gerne herausreden wollen, darauf hin, dass man Verantwortung nicht delegieren kann, wenn man sich vor Kommunalwahlen nicht eingestehen will, dass die eigenen Parteien die Missstände verursacht haben, die man selbst beklagt.
Wer hat denn die letzten zwanzig, fünfundzwanzig Jahre auf Landes- und Bundesebene regiert?!
Ich kandidiere für das BSW, weil ich nicht mehr einverstanden bin, dass all das so weiterläuft. Und ja: Vielleicht kann man mit der Teilnahme an einer Kreistagswahl nicht die Welt oder Deutschland retten, aber dem, was nicht gut läuft, wenigstens etwas entgegensetzen. So verstehe ich jedenfalls „unsere Demokratie“. Ohne Frieden gibt es keine Zukunft für unsere Kinder, auch nicht im Kreis Bergstraße!

Markus Kaltschmidt
Viernheimer Kreistagskandidat des BSW (Listenplatz 7)