Leserbrief von Heike Gander
MINT in Viernheim weiterdenken – auch außerhalb der Schule
MINT-Unterricht – also Bildung in Mathematik (M), Informatik (I), Naturwissenschaften (N) und Technik (T) – spielt eine entscheidende Rolle für die persönliche und gesellschaftliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. In einer Welt, die zunehmend von Digitalisierung, technologischen Innovationen und wissenschaftlichem Fortschritt geprägt ist, sind grundlegende MINT-Kompetenzen unverzichtbar. Sie befähigen junge Menschen nicht nur dazu, komplexe Zusammenhänge zu verstehen, sondern auch, aktiv an der Gestaltung der Zukunft mitzuwirken.
In Viernheim gibt es mit der Albertus-Magnus-Schule sowie der Alexander-von-Humboldt-Schule zwei Schulen, die als „MINT-freundliche Schule“ zertifiziert sind. Beide bieten AGs und Projekte in diesem Bereich an, die die Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Unterrichts nutzen können. Beispiele hierfür sind Robotik-AGs, IT-Projekte, NaWi-AGs etc.
Auch einige andere Viernheimer Schulen bieten tolle MINT-Angebote im Unterricht an, teilweise auch schon im Grundschulbereich, wie die Friedrich-Fröbel-Schule mit der Forscherwerkstatt, die regelmäßig im dritten Schuljahr für alle Kinder stattfindet. Außerdem gibt es MINT-Wettbewerbe in Viernheim, wie Jugend-Forscht, den Känguru-Wettbewerb und Naturwissenschafts-Olympiaden. Der Bedarf ist also vorhanden, wird auch gesehen, sehr gerne von Kindern und Jugendlichen genutzt und im schulischen Bereich umgesetzt.
Doch für den Freizeitbereich gibt es keine mir bekannten Angebote in Viernheim, wohingegen es im näheren Umfeld einige Möglichkeiten gibt, bei Interesse auch am Nachmittag oder im Rahmen von Projekttagen oder Ferienprogrammen logisches Denken und technisches Verständnis zu entwickeln. Diese Angebote sind nicht an schulische Leistungsangebote gebunden und haben dadurch einen ganz anderen Charakter. Es besteht kein Leistungsdruck, keine Kontrolle durch Lehrkräfte und meist können die Kinder und Jugendlichen frei wählen, womit sie sich beschäftigen möchten. Die persönlichen Interessen und Vorlieben sowie der eigene Forscherdrang stehen hier im Vordergrund.
Außerdem ist es eine sinnvolle, zeitgemäße und durch die Zusammenarbeit mit Anderen im Team auch sozial wertvolle Freizeitbeschäftigung. Kinder und Jugendliche beschäftigen sich immer häufiger mit Smartphone, Streaming und Gaming, begeben sich somit in eine soziale Isolation und setzen sich Gefahren im Internet aus. Auch durch diese Entwicklung ist ein Angebot im MINT-Bereich sehr viel wert. Durch dieses wird die Beschäftigung mit digitalen Medien mit sozialen Kontakten, einem geschützten Rahmen und sinnvollen Aufgabenfeldern verbunden. Die Interessen der Kinder und Jugendlichen werden aufgegriffen und pädagogisch gelenkt.
Viernheim besitzt aktuell weder finanziellen Mittel noch geeignete Räumlichkeiten, um Einrichtungen wie das MINT-Zentrum in Bensheim, digi_space in Heppenheim oder das TUMO-Zentrum in Mannheim, alles Einrichtungen, die das Bürgernetzwerk Viernheim bereits besucht hat, Vorort zu etablieren. Unser Ziel ist es daher, uns mit den bestehenden Angeboten zu vernetzen. Wir suchen nach Möglichkeiten, wie wir Kinder und Jugendliche dorthin bringen können, sodass wir es ihnen ermöglichen, die kostenlosen Kurse und Gegebenheiten zu nutzen. Die Verkehrsanbindung ist leider oft sehr ungünstig, und nicht immer ist es den Eltern möglich, ihr Kind regelmäßig am Nachmittag mit dem Auto zu den Freizeitaktivitäten in andere Städte zu befördern. Es soll jedoch Jedem die Chance geboten werden, daran teilzunehmen, unabhängig von den finanziellen und organisatorischen Möglichkeiten der Eltern. Und alle Einrichtungen, die wir kennengelernt haben, würden Viernheimer Kinder und Jugendliche mit offenen Armen empfangen und gerne im Rahmen von Ferienprogrammen, regelmäßigen Kursen oder Projekten an ihrem Angebot teilhaben lassen.
Mit einem Sitz im Stadtparlament hätten wir als Bürgernetzwerk bessere Möglichkeiten, Kooperationen mit Schulen, Verkehrsverbünden und Einrichtungen anzuregen und umzusetzen. Wir könnten verschiedene Initiativen politisch unterstützen, runde Tische initiieren und gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie anderen Parteien nach Ideen und Umsetzungsmöglichkeiten suchen wie beispielsweise einen MINT-Bus, der eine Verbindung zu den externen Angeboten ermöglicht oder die Organisation von „Elterntaxis“.



