Wort zum Sonntag von Pfarrerin Dr. Irene Dannemann, Evangelische Kirchengemeinde Viernheim
Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!

Alles neu? Nichts bleibt, wie es ist? Der große Neustart durch Gott? Wie soll das gehen?
Das Umfeld der Jahreslosung 2026 aus Offenbarung 21,5 deutet an, wie das konkret aussehen könnte: „Gott nimmt Wohnung mitten unter den Menschen. Gott wird bei ihnen wohnen und wird jede Träne von ihren Augen abwischen. Der Tod wird nicht mehr sein. Auch Schinderei wird es nicht mehr geben.“ Das klingt doch ziemlich konkret. Auch wenn es in seiner Gänze und Fülle utopisch ist. Aber es ist ein Anhaltspunkt, wie das Neue werden und sein kann.
Gott wird bei uns Menschen wohnen, genauer gesagt „zelten“. Gott wählt kein prunkvolles Haus, sondern ein leichtes, transportables Zuhause. Gott will da sein, wo es ihn hinzieht, wo Tränen, Leid und Klagegeschrei zu Hause sind. Zu den Kindern in den Steinbrüchen und Minen, in die brandgefährdeten Fabrikhallen, in die Flüchtlingslager oder die ukrainischen Wohngebiete.
„Siehe, ich mache alles neu.“ Ich höre das weniger als großes Neustart-Versprechen. Ich höre es als Angebot, mich, mein Umfeld und die Welt mit anderen Augen anzuschauen. Und Gott ein bisschen dabei zu helfen. „Tikkun olam“ – so heißt das im Hebräischen. „Die Welt ein bisschen reparieren, heilen.“
Wie kann das gehen? Vielleicht so: Ich begegne anderen respektvoll, baue Vorurteile ab, lasse schlimme Erfahrungen hinter mir und versuche, in jedem Menschen ein geliebtes Kind Gottes zu sehen. Auch im Hier und Heute wird die Hoffnung auf ein liebevolles Miteinander schon gelebt, beispielsweise im Viernheimer Hospiz oder in den Projekten für Burkina Faso.
In all mein Zagen hinein höre ich Gottes Versprechen, alles neu zu machen. Nichts muss immer so weiter gehen. Ich erhasche eine Ahnung davon, wie die Welt, in der Gott unter uns Menschen wohnt, aussehen kann. Ich möchte das mir Mögliche dazu beitragen, die Welt ein bisschen mit zu reparieren und mit zu heilen. Den Rest überlasse ich getrost Gott.
Pfarrerin Dr. Irene Dannemann, Evangelische Kirchengemeinde Viernheim“.



