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Viernheim (SPD) – „Dieser Ausflug hat sich richtig gelohnt“, darin waren sich die Viernheimer Sozialdemokrat*innen nach ihrem Besuch der KiSenTa in Rohrbach am 20.01.2026 einig. Auf Anregung des Co-Vorsitzenden Peter Lichtenthäler hatte die 6-köpfige Gruppe eine Exkursion zu der beispielgebenden Einrichtung in der knapp 2.000 Einwohner*innen zählenden Ortsgemeinde bei Landau in der Pfalz unternommen. Mitgefahren waren neben Lichtenthäler die Kandidatinnen Andrea Daniel (Leitung KiTa Kinderdörfel) und Susanne Grüb-Klotz (Sozialpädagogin in der Familienhilfe), SPD-Vorstandsmitglied Albert Haas (in der Eingliederungshilfe erfahrener Sozialpädagoge), SPD-Fraktionsmitglied Herbert Haas und der SPD-Fraktionsvorsitzende Daniel Schäfer.

 

Was ist denn eine KiSenTa? Es handelt sich um die Kombination einer Kindertagesstätte (KiTa) und Seniorentagespflege (SenTa) in einem gemeinsamen Gebäudekomplex. Das partnerschaftliche Zusammenleben von Jung und Alt unter einem Dach ermöglicht eine gemeinsame Nutzung von Ressourcen und schafft die Grundlage für vielfältige kooperative Beziehungen innerhalb der Einrichtung. „Das ist ja eine hervorragende Möglichkeit, gute Ideen für die Aufgaben in Viernheim zu bekommen“, meinte Daniel Schäfer, „denn im Oktober haben in der Stadtverordnetenversammlung die Vertreter*innen aller Fraktionen einhellig die Notwendigkeit der Schaffung von Tagespflegeplätzen für Viernheimer Senior*innen betont. Hier in Rohrbach haben wir ein Beispiel für eine besonders gelungene Umsetzung.“

 

Dekan Dietmar Zoller, der als Trägervertreter die Viernheimer Gruppe begrüßte, erinnert sich: „Ausgangspunkt für den Bau der Einrichtung in Rohrbach waren Impulse aus der Kommunalpolitik: Es fehlten Kindergartenplätze, weshalb die Ortsgemeinde sich dafür entschied, eine weitere Einrichtung im Ortskern in direkter Nähe zum Dorfgemeinschaftshaus und der Grundschule zu errichten.“ Betriebsträger für die im Dezember 2022 eröffnete KiSenTa sind der Protestantische KiTa-Verband im Kirchenbezirk Bad Bergzabern als Träger der Kindertagesstätte und der ASB (Arbeiter-Samariter-Bund) Kreisverband Südpfalz als Träger der Seniorentagespflege.

 

Die stellvertretende Einrichtungsleiterin Anja Jetter führte die Viernheimer Gruppe zusammen mit Herrn Dekan Zoller durch den Teil der 2-gruppigen Kindertagesstätte, in der 2 einjährige und 43 Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren (darunter eines mit besonderem Förderbedarf) in einem teiloffenen Konzept zumeist ganztags betreut werden. Neben den beiden Gruppenräumen, einem Schlafraum und einem Intensivraum steht den Kindern ein kleines Atelier, ein Bistro, ein Bewegungsraum und ein großzügiges Außengelände zur Verfügung. Vom Flur aus gelangt man durch eine Zwischentür direkt in den Seniorenbereich. Wie bei Außentüren von Kindertagesstätten üblich, können die Kinder diese jedoch nicht ohne eine erwachsene Begleitperson öffnen.

 

Wie findet nun gemeinsame Begegnung statt? Das Zusammensein der Generationen wird durch alltägliche Besuchssituationen, gemeinsame Projekte und generationsgemischte Kleingruppenangebote ermöglicht. Diese sind so gestaltet, dass alle Beteiligten mitgestalten können und unterschiedliche generationsspezifische Kompetenzen, Wissensbestände, Einstellungen und Werte einfließen. Beispiele sind partnerschaftliches Musizieren, bildnerisches Gestalten, gemeinsame Gottesdienste, Ausflüge und Feste, tägliche Begegnungen in Haus und Garten, Lese- und Spielnachmittage u.v.m. Das alles wird von den Fachkräften organisiert und begleitet. „Leider haben wir kein gemeinsames, frei zugängliches Wohnzimmer“, meinte Jacqueline Rust, die Pflegedienstleitung der Seniorentagespflege, „Unsere Gäste (gemeint sind die Senior*innen) halten sich aber auch gerne im gemeinsamen Außengelände oder im Bewegungsraum der KiTa auf, wenn wir dort etwas Besonderes planen und die persönlichen Voraussetzungen, z.B. Sitzgelegenheiten, zur Verfügung stehen.“

 

Die SenTa umfasst 17 Plätze, angemeldet sind Senior*innen ab dem Pflegegrad 2 bis zum Pflegegrad 5, die außerhalb der Öffnungszeiten der Einrichtung (montags bis freitags von 8.00 Uhr bis 16.00 Uhr) zu Hause wohnen. Zu einigen Gästen kommt ergänzend ein ambulanter Pflegedienst, einige versorgen sich zu Hause selbst, genießen es aber, an zwei Wochentagen in die SenTa zu kommen und Sozialkontakte zu pflegen. Neben einem großen Wohnbereich mit offener Küchenzeile, an dem täglich zusammen gekocht wird, gibt es einen Raum mit Pflegebett und einen großen Sanitärbereich. Aufgrund des ländlich geprägten Einzugsgebiets verfügt die SenTa über einen eigenen Fahrdienst, der die Gäste morgens zu Hause abholt und abends wieder zurückbringt.

 

„Es ist schön zu sehen, wie sich Kinder nach und nach mit der Begegnung verändern. Sie erleben ein Miteinander mit der Urgroßelterngeneration“, wusste Frau Jetter zu berichten. Auch die sensible Thematik des Abschiednehmens ist ein wertvoller Bestandteil des gemeinsamen Konzepts. Durch die Verknüpfung der beiden Einrichtungsteile wird erlebbar, dass das Leben, Altern und Sterben als natürlicher und wertvoller Prozess in unserer gesellschaftlichen Mitte zu begreifen ist. Durch behutsame und begleitete erste Berührungspunkte mit dem Abschied vom Leben soll ein angstfreier und unbelasteter Umgang damit ermöglicht werden.

 

„Für die Senior*innen bietet die Begegnung mit den Kindern oft einen wertvollen Anlass zur Kommunikation“, führte Frau Rust aus, „aus dem Gespräch mit den Kindern, was sie sich zu Weihnachten wünschen, wurde bei uns ein Tischgespräch mit Biografiearbeit: Wie war das bei uns an Weihnachten, als wir Kinder waren? Woran erinnern wir uns?“ Pfarrer Zoller brachte es am Ende des Besuchs auf den Punkt: „Wenn man zusammenkommt, beginnt das Verstehen!“

 

Unbesetzte Personalstellen sind in der KiSenTa ein Fremdwort: „Wir haben immer genügend Bewerbungen und es ist eine sehr schöne Arbeitsstelle hier“, sagt Frau Rust überzeugt. „Ich fahre zum Beispiel 30 Kilometer zur Arbeit, weil es mir hier so gut gefällt. Es ist eben ein besonderes Konzept. Ich möchte in keiner anderen Senioreneinrichtung mehr arbeiten.“

 

Nach dem rund zweistündigen Besuch fuhr die Delegation der Viernheimer SPD voller Eindrücke wieder nach Hause. „Die wertvollen Erfahrungen aus diesem Besuch sind wichtige Impulse für die zukünftige politische Arbeit des Ortsvereins und der Fraktion der Stadtverordnetenversammlung, wenn es um die Planung neuer Einrichtungen für Kinder oder Senior*innen geht“, war Peter Lichtenthäler überzeugt. Hierfür gaben ihm die beiden Einrichtungsleiterinnen noch einen Tipp mit auf den Weg: „Sorgen Sie dafür, dass von Anfang an die Praktiker*innen aus beiden Bereichen einbezogen werden, wenn Sie eine solche Einrichtung planen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass ein Haus entsteht, das alle Alltagsbedürfnisse möglichst optimal erfüllt.“