Häme statt Lösungen: Wie kommen die Schüler sicher ins neue Schulzentrum?

In der letzten Stadtverordnetenversammlung wurde über die Vorschläge des Bürgernetzwerks gespottet. Von „Utopien“ war die Rede, es wurde mit dem Kopf geschüttelt und der Antrag abgelehnt. Doch während man sich über mögliche Lösungen lustig machte, blieb die entscheidende Frage unbeantwortet: Wie sollen künftig 1.500 Schülerinnen und Schüler sicher über die viel befahrene L3111 zum neuen Schulzentrum gelangen?

Das Bürgernetzwerk hatte vorgeschlagen, ergebnisoffen zu prüfen, ob eine Überbauung der L3111, eine Brücke oder ein Tunnel eine sichere Querung ermöglichen könnten. Statt sich ernsthaft mit diesen Möglichkeiten auseinanderzusetzen, wurden sie als utopisch abgetan. Lediglich die Nutzung der alten Eisenbahnbrücke soll geprüft werden.

Dabei ist die Idee keineswegs neu. Schon 1998, bei der Planung des Baugebiets Bannholzgraben I, brachte der damalige Leiter des Bauamts eine Überbauung der L3111 ins Gespräch. Die Überbauung wurde damals nicht umgesetzt, weil man das Geld lieber verwenden wollte, um das Bauen im Bannholzgraben zu bezuschussen.

Besonders bemerkenswert ist, dass es bislang keine konkreten Planungen für die Verkehrsanbindung des Schulzentrums zu geben scheint.

Erst die Schule bauen und dann überlegen, wie die Schüler sicher hinkommen?

Die Probleme sind absehbar. Schon heute sorgen die beiden Fußgängerampeln über die L3111 für Rückstaus und Wartezeiten. Gleichzeitig soll die Unterführung an der Autobahnauffahrt Ost künftig auch den Radschnellweg mit erwarteten bis zu 2.800 Radfahrern täglich aufnehmen. Wie sollen sich dort morgens zusätzlich die Schülerströme bewältigen lassen? Und was passiert, wenn die Unterführung wegen des Radschnellwegs für Autos gesperrt wird? Lehrkräfte und Eltern könnten dann gezwungen sein, vom REWE her durch den halben Bannholzgraben fahren zu müssen – zum Nachteil der Anwohner.

Natürlich sind eine Brücke, ein Tunnel oder eine Überbauung keine kleinen Projekte. Fragen der Machbarkeit und Finanzierung müssen sorgfältig geprüft werden. Wenn Stadt und Kreis keine Lösung finden, sollte auch das Land Hessen in die Pflicht genommen werden. Schließlich handelt es sich bei der L3111 um eine Landesstraße. Hessen Mobil und das zuständige Landesministerium sollten deshalb in die Suche nach einer tragfähigen Lösung einbezogen werden.

Aber genau darum ging es dem Bürgernetzwerk: nicht um eine fertige Planung, sondern um die ergebnisoffene Suche nach einer tragfähigen Lösung.

Vorschläge als utopisch abzutun, ist einfach. Ein ungelöstes Verkehrsproblem wird dadurch aber nicht kleiner.

Die entscheidende Frage bleibt: Wie sollen sich morgens Tausende Schülerbewegungen, der Verkehr des Radschnellwegs und der übrige Verkehr an der L3111 sicher und möglichst reibungslos bewältigen lassen?

Wer über solche Vorschläge spottet, sollte zumindest eine bessere Antwort haben. Andernfalls muss man sich fragen, ob das neue Schulzentrum samt Verkehrsanbindung überhaupt zu Ende gedacht wurde.

Wolfram Theymann