H.Bugert
Foto:K. Miedniak

Viernheim (K.Miedniak) – „Bitte nach oben in die Bäume schauen!“ – das ist Michael Falkensteins Wunsch an alle Viernheimer. Denn jetzt, wenn langsam die Blätter fallen, werden sie weit oben in den Baumkronen sichtbar: die Nester der asiatischen Hornisse, auch bekannt unter dem lateinischen Namen Vespa velutina.

 

Schon seit vor einigen Jahren die ersten Vertreter der invasiven Hornissenart in Südhessen ankamen, versucht Imker und Hornissenberater Falkenstein ihre Ausbreitung zu bremsen. Anfangs aus Sorge um seine Bienenvölker. Doch mittlerweile hätten sich viele Schutzmechanismen gefunden, um die Honigsammler davor zu bewahren, in ihrem Stock von der asiatischen Hornisse gefressen zu werden. Trotzdem bekämpft er den Eindringling weiter – um die Artenvielfalt zu schützen. „Die Vespa velutina frisst buchstäblich alles“, erklärt Falkenstein, neben Bienen auch Wespen, Schmetterlinge, Spinnentiere, Wildbienen, Hummeln und alles andere, was sie in der heimischen Insektenwelt finde. Pro Nest werden geschätzt elf Kilogramm Insekten als Futter erbeutet.

 

Im Frühjahr bauen die Hornissenköniginnen, die im warmen südhessischen Winter problemlos überwintern, ihr erstes Nest in der Größe eines Hand- oder Fußballs und ziehen darin Arbeiterinnen groß. Diese Nester findet Falkenstein meist in Bodennähe – und oft an kuriosen Orten. „Ich hatte schon einige Nester in Vogelnistkästen oder in Aufbewahrungsboxen für die Stuhlkissen der Gartenmöbel“, erzählt er. Im Sommer, wenn das Volk zu groß für dieses Primärnest wird, entstehen die sogenannten Sekundärnester weit oben in Bäumen. In diesen deutlich größeren Bauten von bis zu einem Meter Durchmesser wachsen sehr viele Jungköniginnen heran. Genau diese Nester versucht Falkenstein zu zerstören – um die Ausbreitung zu verhindern.

 

„Ich gehe aber nie allein an ein Nest“, sagt er. Im Einsatz ist er immer gemeinsam mit einem weiteren Viernheimer, dem Hornissenberater Hans Bugert. Und beide sind gut geschützt. „Es kann immer etwas passieren“, erklärt Falkenstein, der schon oft gehört hat, wie asiatische Hornissen zugestochen haben, wenn jemand ihrem Nest zu nahe kam. Er rät allen, die ein Nest entdecken, ihn oder Bugert zu kontaktieren. Zwar müssten Privatleute die Kosten für die Entfernung eines Nests auf ihrem Grundstück selbst bezahlen. Denn seit die Vespa velutina im März 2025 als „etabliert“ eingestuft wurde, trägt das Regierungspräsidium die Kosten der Nestentfernungen nicht mehr. Viernheim allerdings kommt trotzdem weiter für die Kosten auf, wenn Bugert und Falkenstein Nester auf öffentlichem Grund entfernen.

 

Routine haben er und Bugert zur Genüge. Allein dieses Jahr haben die beiden schon 13 Nester in der Stadt entfernt. Im vergangenen Jahr waren es rund doppelt so viele Nester. Deshalb ist Falkenstein sicher: „Da sind noch viele mehr, die wir finden wollen.“ Dafür braucht er die Viernheimer und deren Blick nach oben. Denn auch wenn die Asiatische Hornisse wohl nicht mehr verschwinden wird, wollen er und Bugert weiter für den Artenschutz kämpfen. „Wir geben nicht auf!“

 

Infobox: Kontakt zu den Hornissenberatern

– Wer ein Nest der Vespa velutina entdeckt, kann sich bei Michael Falkenstein unter Telefon 0152/33567207 und per Mail: info@imker-viernheim.de oder bei Hans Bugert unter Telefon 0173/3128327 melden.

– Gemeldet werden können Nester auch ans Ordnungsamt.

– Das direkte Gespräch mir Falkenstein suchen können Interessierte am 24. Oktober bei der Baumpflanzaktion im Bannholzgraben oder am 5. und 6. Dezember beim Weihnachtsmarkt im Vogelpark.