: Insgesamt 253 Multiplikatoren nahmen an den Fortbildungsveranstaltungen zur Friedenserziehung teil.
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Viernheim (M.Weidner/Focus) – Aufgrund von Terroranschlägen in Burkina Faso – von denen auch Viernheims Partnergemeinde Silly zwischen 2022 und 2024 getroffen wurde – kam es auch in der Region zu Binnenvertreibungen. Die anschließende Rückkehr der Menschen führten in der Folge zu verstärkten ethnischen, sozialen und landwirtschaftlichen Spannungen. Vor diesem Hintergrund initiierten die Verantwortlichen in Silly ein wegweisendes Projekt zur Friedenserziehung mit dem Titel „Sozialer Zusammenhalt, Konfliktprävention und -bewältigung sowie Friedensförderung“.

Unter der Leitung des Konfliktpräventionsexperten Pascal Ouédraogo wurden im Dezember 2025 und Januar 2026 insgesamt fünf dreitägige Fortbildungssitzungen in Silly durchgeführt. Das übergeordnete Ziel war es, den sozialen Zusammenhalt, die Konfliktprävention und die Friedensförderung nachhaltig im Bildungssektor und in der gesamten Gemeinde, die 33 Dörfer mit Schulen umfasst, zu verankern.

Insgesamt nahmen 253 Multiplikatoren an den Schulungen teil, darunter vor allem Lehrkräfte verschiedener Schulformen, Schulleiter, Gemeindevorsteher sowie Mitglieder der Steuerungsgruppe. Die feierlichen Eröffnungs- und Abschlussveranstaltungen wurden von dem Präfekten Christophe Bonkoungou geleitet. Dieser begrüßte das Engagement ausdrücklich und dankte dem deutschen Partner für die finanzielle Unterstützung. Auf deutscher Seite agiert der Verein FOCUS, der die kommunale Zusammenarbeit zwischen Silly und Viernheim nun schon seit über 30 Jahren durch unzählige Projekte am Laufen hält.

Ein innovativer Ansatz für nachhaltigen Frieden

Die Fortbildung setzte auf eine stark partizipative und praxisorientierte Methodik. Anstelle des in Burkina Faso üblichen Frontalunterrichts lernten die Teilnehmenden durch Diskussionen, Fallstudien, Rollenspiele und einen intensiven Erfahrungsaustausch. Inhaltlich wurden essenzielle Module wie Friedenskultur, Konfliktanalyse, der Umgang mit Gewalt, Identität, Würde sowie Führungsqualitäten behandelt. Praktische Übungen – wie das symbolische Zerschneiden und anschließende, vergebliche Zusammensetzen eines „Friedens-Zettels“ oder die Analyse von Täuschungen zur Verdeutlichung unterschiedlicher Wahrnehmungen – halfen dabei, die tieferen Ursachen von Konflikten greifbar zu machen und zu verstehen.

Die anschließende Auswertung belegt den großen Erfolg der Maßnahme: 90 % der Teilnehmenden bewerteten den Ablauf als positiv. 80 % gaben an, ihr Wissen deutlich erweitert zu haben. Alle Befragten trauen sich eine hohe bis sehr hohe praktische Anwendung des Gelernten im Alltag zu. Zudem betonten die Teilnehmenden, durch die Schulung toleranter geworden zu sein, Konflikte nun besser analysieren zu können und künftig eine aktive Rolle als Friedensstifter und Vermittler in ihren Schulen und Gemeinden einnehmen zu wollen. Als einzige Verbesserungsvorschläge wurden eine Verlängerung der Schulungsdauer sowie eine Ausweitung auf noch mehr Teilnehmende genannt. Um den langfristigen Austausch zu sichern und das Gelernte zu festigen, wurden begleitend WhatsApp-Gruppen mit den Ausbildern eingerichtet.

Hand in Hand: Verbesserte Bildungschancen und Schulneubauten

Flankierend zu den Schulungen entstanden in den vergangenen Monaten drei neue Schulgebäude zur dringend notwendigen Verbesserung der schulischen Infrastruktur in Silly: zwei Grundschulen (jeweils inklusive Toilettenanlagen) sowie ein Erweiterungsbau am Gymnasium, der drei zusätzliche Klassenzimmer, ein Büro und einen Lagerraum umfasst. Alle diese Schulen wurden zudem komplett mit neuem Mobiliar wie Tischen, Stühlen und Schränken ausgestattet.

Das Gesamtprojekt „Implementierung von Friedensbildung an Schulen und verbesserter Zugang zu Schulen durch Schulneubauten und Erweiterungen“ wird begleitet und finanziell gefördert durch Engagement Global, der zentralen Anlaufstelle für entwicklungspolitisches Engagement in Deutschland. Wie auf deren Webseite zu lesen ist, arbeitet Engagement Global im Auftrag der Bundesregierung und wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert.

Vier Jahre Herzblut und starker Rückhalt

Hinter diesem Mammutprojekt steckt eine vierjährige, intensive Vorbereitungszeit einer engagierten Arbeitsgruppe des Partnerschaftsvereins FOCUS e.V.: Judith Lipp, Uta Ummenhofer, Alfred Schmidt, Manfred Bugert und Klaus Hofmann haben das Vorhaben mit unermüdlichem Einsatz auf den Weg gebracht und dabei auch eine Reihe von Rückschlägen erfolgreich gemeistert. Ein ganz besonderer Dank der Gruppe gilt den vielen Patinnen und Paten des Vereins, denn erst durch deren wertvolle Patenschaftsbeiträge konnte der notwendige Eigenanteil des Projekts finanziert werden.

Neben dem Engagement in den Bereichen Gesundheit, Wasserversorgung, Ernährung und Begegnung bilden die Schul- und Berufsbildung das Fundament der Arbeit von FOCUS e.V. Das erklärte Ziel des Vereins ist es, den Menschen vor Ort die Perspektive auf ein selbstbestimmtes Leben in wirtschaftlicher Sicherheit zu eröffnen. Dies schafft nachhaltige Zukunftsaussichten in der Heimat und wirkt somit der Abwanderung in die Großstädte sowie der Flucht nach Europa effektiv entgegen.

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