Vielfalt und Integration: „Es dient allen, wenn Integration gestaltet wird“
Viernheim setzt seinen Weg fort – Lernmobil als verlässlicher Partner der Integrationsarbeit

Foto: Stadt Viernheim
Viernheim (Stadt Viernheim) – Die Integration von Menschen, die nach Deutschland zugewandert sind und dauerhaft ihren Wohnort in Viernheim finden, ist für die Stadt eine aktiv zu gestaltende kommunale Aufgabe, so sieht es Bürgermeister Matthias Baaß. „Anders als bei klassischen Pflichtaufgaben, die den Städten und Gemeinden zugewiesen werden, ist die Kommune nicht verpflichtet, Integrationsarbeit zu leisten – und es gibt dafür auch keine dauerhafte Finanzierung“, so Baaß.
Trotzdem sieht die Stadt Integration schon seit vielen Jahren als Gestaltungs- und Steuerungsaufgabe an und verfolgt diesen Weg konsequent. „Es dient allen Menschen in einer Stadt, wenn Integration – soweit es einer Kommune möglich ist – gestaltet wird und das Gelingen nicht dem Zufall überlassen bleibt. Integration zu steuern und zu gestalten ist kein Vorzug für Zugewanderte, sondern ein Dienst am Gemeinwesen zum Vorteil aller Bürgerinnen und Bürger“, betont der Bürgermeister.
Für mehr Teilhabe, Begegnung und Zusammenhalt
Die Gestaltungs- und Steuerungselemente, die Viernheim dabei nutzt, sind vielfältig. Bereits 2004 rief Bürgermeister Baaß eine zentrale Lenkungsgruppe ins Leben, die ab diesem Zeitpunkt der Steuerung des lokalen Integrationsprozesses diente. Seit eines in 2019 durchgeführten Strategieprozesses betreut die Lenkungsgruppe „Vielfalt und Integration“ acht zentrale Handlungsfelder, welche aus einem breiten Bürgerbeteiligungsforum mit dem Titel „Wir sind alle Viernheimer“ heraus aufgegriffen wurden.
Im Jahr 2016, dem Jahr der großen Zuwanderung, wurde zudem eine zusätzliche Sprachförderung für alle Schülerinnen und Schüler ins Leben gerufen – mit großer Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung. Daraus entwickelte sich in Viernheim ein eigenes Leseförderzentrum, das bis heute das Ziel verfolgt, Kindern und Jugendlichen durch einen möglichst schnellen Erwerb der deutschen Sprache frühzeitig den Weg in Ausbildung und Beruf zu ebnen.
Ein weiterer wichtiger Baustein sind die Integrationslotsinnen. Gestartet als Projekt für interkulturelle Vermittlung (PfiVV) sind sie heute aus Viernheim nicht mehr wegzudenken. Nach einer einjährigen Ausbildung unterstützen sie in verschiedenen Einrichtungen wie Rathaus, Jobcenter, Schulen oder der Baugenossenschaft. Mit großem persönlichem Engagement helfen sie dabei, dass sich Zugewanderte und Mitarbeitende bei Behördengängen besser verständigen und orientieren können.
Früh wurde außerdem ein „Forum der Religionen“ ins Leben gerufen – als Ort des Austauschs der abrahamitischen Kirchen- und Glaubensgemeinschaften. Ziel ist es, den interreligiösen Dialog zu fördern und die Zusammenarbeit der religiösen Gruppen in Viernheim zu stärken.
Auch ohne klare Vorgaben auf Bundesebene und trotz des bis heute fehlenden verpflichtenden Auftrags zur aktiven Gestaltung von Vielfalt ist Viernheim diesen Weg über Jahrzehnte konsequent gegangen. Möglich wurde dies durch die enge Zusammenarbeit mit Menschen und Organisationen vor Ort: mit Moscheen, Vereinen und Verbänden sowie Kirchengemeinden. Daraus entstanden etliche Veranstaltungsreihen, unter anderem auch das Projekt „ViernheimConnected“, das speziell für die Innenstadt konzipiert wurde und inzwischen abgeschlossen ist.
Diese über Jahre gewachsenen Strukturen haben es der Stadt ermöglicht, auch in herausfordernden Situationen flexibel und bedarfsgerecht zu reagieren. Als Geflüchtete aus Syrien und später aus der Ukraine nach Viernheim kamen, konnte die Stadt schnell reagieren. Sprachkurse, ehrenamtliche Angebote, Integrationslotsinnen und bestehende Netzwerke wurden unmittelbar aktiviert – weil Vielfalt in Viernheim nicht verwaltet, sondern aktiv gestaltet wird.
Lernmobil als verlässlicher Partner der Integrationsarbeit
Der Verein Lernmobil e.V. hat diesen Prozess über viele Jahre hinweg entscheidend begleitet, geprägt und mitgestaltet. Dr. Brigitta Eckert, eine der Gründerinnen des Vereins, erklärt: „Wir haben eigene Strukturen geschaffen, um Teilhabe, Begegnung und Zusammenhalt vor Ort zu fördern. Dazu gehört auch die enge Zusammenarbeit mit der Integrationskommission. So wird Austausch und Vernetzung ermöglicht und gemeinsame Lösungen für aktuelle gesellschaftliche Fragen lassen sich leichter finden.“ Mitgründer Dr. Gerd Baltes ergänzt: „Ein weiterer wichtiger Baustein ist das starke ehrenamtliche Engagement in unserer Stadt. Die Arbeit der Integrationslotsinnen, die große Unterstützung vieler Viernheimerinnen und Viernheimer in den Jahren 2015/16 sowie Initiativen wie die ,Helping Hands‘ zeigen, wie wichtig persönlicher Einsatz für ein gutes Miteinander ist.“
Vor diesem Hintergrund entwickelt der Verein Lernmobil seine Arbeit kontinuierlich weiter. So wurde nun auch das Projekt „Demokratie schafft Teilhabe. Viernheim verbindet“ konzipiert, für das erfolgreich eine Förderung beim Hessischen Sozialministerium eingeworben werden konnte.
Ziel ist es, ergänzend zur bestehenden Integrationsarbeit gezielt Begegnungsmöglichkeiten für Menschen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten zu schaffen – als Räume für Information, Austausch und Gespräch. Das Projekt ist auf einen längeren Zeitraum angelegt und soll mit unterschiedlichen, niedrigschwelligen Formaten Begegnungen im Stadtgebiet ermöglichen. Auf diese Weise sollen Vorbehalte abgebaut, Verständnis gefördert und Vertrauen gestärkt werden.
Bürgermeister Matthias Baaß betont abschließend: „Immer häufiger leben Menschen nebeneinander, ohne sich wirklich zu begegnen. Doch Vertrauen entsteht dort, wo Menschen miteinander sprechen und sich kennenlernen – nicht dort, wo man übereinander redet.“



